Category Archives: Canada

Ein grosses Land, in dem es viiiiiel zu entdecken gibt. Anekdötchen drunter und drüber.

Stromausfall. Guet Nacht am sächsi!

Es ist 23:00. Zu so später Stunde sollte man eigentlich schlafen.
Würde man auch, wäre nicht vor knapp einer Stunde das Flugzeug nebenan angesprungen!

Power Outage

Natürlich ist es kein Flugzeug das da läuft, sondern der Generator. Kurz nach 22Uhr hatten wir einen Stromausfall. Zägg, einmal alles dunkel (also sämtliche LED’s aus, da merkt man mal wieder, wie viele LED’s überall brennen!)  bzzzzzzzrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrämämämäm (das ist der Generator) und es ist wieder alles hell.
Aber eben, seither: BZZZZZZRRRRRRRRRÄMÄMÄMMÄM. Und das neben dem Bett. Also gefühlt direkt neben dem Ohr. Etwa so, wie wenn man versucht auf der Düse des Flugzeugs zu schlafen. Oder vielleicht eher in der Düse. Jawoll, vorbei ist die gute Nachtruhe. Emel bei mir, ich bin da ganz offensichtlich etwas lärmempfindlicher als mein Mann, der ab dem ersten
bzzzzzzrrrrrrrämämämäm gerade mal knapp erwacht ist, aber nur um gleich wieder tief und
fest weiterzuschlafen.

Nützen wir doch die schlaflose Zeit, um uns etwas über Stromausfall in Kanada schlau zu machen: Scheint offenbar ein gängiges Problem zu sein, die Provinziale Stromgesellschaft “BC Hydro” widmet dieser Eventualität auf jeden Fall eine ganze Internesteite. Da gibt es zum Beispiel detaillierte Checklisten zum Thema “be prepared“, für den Fall dass…
und jetzt gehen wir noch einen Schritt weiter, die kanadische Regierung empfiehlt nämlich allen Bewohnern einen 72h-Notfall-Plan unter dem Stichwort: get prepared. Jetzt weiss ich endlich auch, was mich hier alles bedrohen könnte. Neben möglichen Naturkatastrophen wie Buschbränden oder Erdbeben gibt es da noch allerhand weiteres. Stromausfall gehört zum Beispiel in die Kategorie “anderes”, wie auch Epidemien oder verdächtige Pakete 🙂
hazards
Naja, ich mag in meiner unfreiwilligen Schlaflosigkeit vielleicht etwas zynisch sein. Denn wenn man sich das ganze ernsthaft überlegt, dann macht es schon Sinn, dass ein Land wie Kanada seine Bevölkerung auf solche Gefahren aufmerksam macht. Bleiben wir bei unserem Stromausfall: man stelle sich vor, ein Haus (wie unseres) komplett im Busch OHNE Generator.
Da läuft dann aber plötzlich gar nichts mehr! Je nachdem nicht einmal mehr das Telefon. Da bist du dann schön abgeschnitten von der Umwelt plötzlich. Da wärst du froh, hättest du BZZZZZZZZZZZZZRÄMÄMÄMÄMÄM in deinem Schlafzimmer!

Nun, dank dieser informativen Seite, weiss ich jetzt auch, dass wir nicht die einzigen sind, die eine schlaflose Nacht vor sich haben, 2869 Haushalte sind offenbar betroffen, Grund leider unbekannt, voraussichtliche Dauer der Störung bis morgen, um 01:….Moment….. Psssst! Hört mal genau hin…. bzzzzzzz? Nein. Ruhig. Abgestellt. Generator schweigt.
Störung frühzeitig behoben! Halleluja!
Jetzt aber ab ins Bett!!

Sollte der Strom heute Nacht doch noch einmal ausfallen, Generator sei dank wird die
Kaffeemaschine morgen garantiert funktionieren.
Immerhin.

^esther

Ps: Es ist mittlerweile 06:00Uhr, ich sitze am Küchentisch mit einer Tasse heissem Kaffee (ja, der Strom hat gehalten) ABER! um 04:00 ist der Rauchmelder ab. Fehlalarm. Wahrscheinlich Batterie leer. Wäre vor unseren Fenstern kein Mückengitter, das Ding würde jetzt im Schnee liegen. Aber ännet em See. Punkt.

Ein entspanntes Hunde(halter)leben

Ich möchte auch ein Hund sein. Ehrlich! Ein Hundeleben ist ja so herrlich entspannt. Aber wenn schon ein Hund, dann bitte hier in Kanada, im Busch.

2014-01-28_051-1024Der Wunsch kommt bei mir meist am frühen Morgen auf, wenn ich noch halb verschlafen zum Hundegehege gehe und dort auf eine Horde Huskies treffe, die sich gerade von den ersten Sonnenstrahlen das Fell wärmen lässt. Die Augen geschlossen, den Kopf der Sonne entgegen, keine Sorgen, keine Ängste, nichts. Nur purer Genuss. Wie gern möchte ich mich dazu gesellen, und ganz einfach Teil der Herde sein. Den ganzen Tag draussen verbringen, auch bei -30 Grad nicht frieren, mit meinen Hundefreunden spielen, ein bisschen spazieren gehen, ab und zu einen Schlitten ziehen, immer schön pünktlich gefüttert werden, und sollte es mal wirklich Katzen hageln, so verkrieche ich mich ganz einfach in mein Hüttchen, liege ins weiche, warme Stroh, schaue hinaus und lasse den Regen Regen sein. Oh wie schön wär’ das!
Aber eben, wenn Hund, dann bitte nur hier im Nirgendwo.

Was der wirkliche Unterschied vom Hundsein in der Schweiz zum Hundsein im kanadischen Busch ist, das habe ich erst kürzlich erkannt, wie ich mit meinem Bruder Martin telefoniert habe: Er hütet derzeit gerade die Hunde seiner Partnerin und ärgerte sich, weil “die tun immer so blöd, wenn wir beim spazieren andere Hunde treffen”. Moment. Spazieren. Andere Hunde treffen. Andere Hunde???

Ich erinnere mich noch bestens an den engen Feldweg der Ergolz entlang in Sissach, wo ich jeweils joggen war. Geschätzte 20 Meter Abstand waren da von Hund zu Hund. Maximal. Alle natürlich hervorragend erzogen! Strenger Zeigefinger vom Herrchen – Sitz! – Hund erstarrt an Ort und Stelle. Der Jogger zwängt sich vorbei (von Hund und Halter keines Blickes gewürdigt)
– Brav! – Hund erwacht wieder zum Leben.
Wirklich beeindruckend! Ich glaube, ich habe noch nirgends auf so engem Raum so viele gut erzogene Hunde angetroffen. Liegt vielleicht auch daran, dass dort innerhalb von 2km drei Hundeschulen sind (…) aber welch ein Stress! Für Herrchen und Hundchen (und Jogger).

Und jetzt hier: Wir laufen 1 Stunde, kein Mensch. 2 Stunden, kein Mensch. 3 Stunden, kein Mensch. Soll ich weitermachen? Es ginge ewig. 2014-01-16_145-1024
Gut 3 Monate ist es her und ich habe bereits komplett vergessen, wie das ist, wenn man beim spazieren andere Menschen antrifft und vor allem andere Hunde! Hirsche, ja (interessiert die Huskies nicht). Elche, ja (interessiert die Huskies auch nicht). Noldi, ja (interssiert die Huskies ebenfalls nicht). Eigentlich interessieren die Huskies nur Wachteln und Eichhörnchen (diese dafür umso mehr). Aber wie würden sie wohl auf andere Menschen oder Hunde reagieren? Vermutlich gar nicht, weil sie derart überrascht wären und nicht wüssten, was sie mit diesen Wesen anfangen sollten… Aber eben, diese Frage stellt sich hier draussen schlicht und einfach nicht.
Und so spielt es auch keine Rolle, dass die Huskies auf das Kommando – Sit! – (unsere Hunde reden natürlich Englisch) und meinen strengen Zeigefinger meist zuerst nur einen fragenden Blick übrig haben und am Finger schnüffeln, in der Hoffnung, es sei etwas Essbares.
Irgendwann bewegen sie ihren Hintern dann schon gegen den Boden, es dauert halt einfach viel länger als bei den Drillhunden an der Ergolz. Aber eben, hier draussen stört das auch niemanden.

Ja, es ist viel entspannter so spazieren zu gehen. Für Herrchen und Hundchen.
Was so ein bisschen mehr Platz doch ausmachen kann!

^esther

Gretel und der grosse Ofen

Zu unserer täglichen Routine gehört neben der Hege und Pflege der Vier- und Zweibeiner auch das füttern des Stahltrosses im Garten von Jane und Rainer: Die Heizung.

2014-01-11_912-1024Ein Koloss von 2 Metern Höhe, 2 Metern Länge und vielleicht 1.5 Metern Breite. Sieht aus, wie ein kleines Haus. Purer Stahl, made in America (im Notfall könnte man daraus sicher im handumdrehen einen Atombunker bauen), auf dem Dach ein Kamin mit Ventilator, das in einem mir unverständlichen Zyklus dicke Rauchschwaden spuckt. In diesen Momenten gleicht das Ungetüm von Ofen einer Dampflock, die kurz ihren Halt am Bahnhof macht, um dann fauchend und zischend in der Winterlandschaft davonzutuckern.
Manchmal steht der Ofen aber auch ganz still, kein Fünklein, kein Räuchlein, kein Mucks, als ob nie etwas gewesen wäre… Ein schlummernder Vulkan.
Im Bauch des Ofens ist ein komplexes System von Türen, Türchen und Riegeln verschiedenster Grösse und Dicke, dahinter die Brennkammern, alle irgendwie sinnvoll miteinander verbunden. Ein System, so angelegt, dass aus möglichst wenig Holz, möglichst viel Wärme rauskommt. (wobei “wenig” sehr relativ ist: Pro Woche verschlingt das Ding etwa einen Baum von 40cm Durchmesser. Mindestens. Je nach Minusgraden in der Nacht.)
Irgendwo neben diesen Brennkammern müssen noch Rohre versteckt sein, darin fliesst Wasser, das vom Feuer erhitzt, die Wärme dann ins Haus bringt und dort dafür sorgt, dass niemand kalte Füsse kriegt.
Eigentlich ganz simpel.
Und weil Jane und Rainer derzeit in Mexiko sind, gehört das Füttern dieses Monstrums nun eben zu meiner Frühschicht.

Jeden Morgen öffne ich das Ofenhaus: Zuerst auf der vorderen Seite. Stelle die Zeituhr, damit sich das Ventil für die Zugluft öffnet und es möglichst keine Stichflamme gibt, öffne die Tür zur grossen Brennkammer (die ist etwa auf Brusthöhe) und fühle, wie mir die Hitze entgegenschlägt. Ich muss mich strecken, um die schweren Holzscheite möglichst sorgfä2014-01-11_908-1024ltig nachzulegen, denn es sollen keine Schamottsteine am Boden der Kammer zerschlagen werden. So fülle ich den Ofen Stück für Stück und mit jedem Scheit, das ich nachlege, nimmt die Hitze zu. Die Flammen züngeln sich durch ihre Beute, wollen alles sofort fressen. Würden sie sicher auch. Wäre ich Gretel, die böse Hexe hätte in diesem Ofen keine Chance.

Ofen voll, Tür zu, Zeituhr abstellen.
Seite wechseln.
Tür auf der Hinterseite auf, Ofen ausschalten, eine ganz kleine Tür am Boden des Ofens öffnen, Asche rausholen, Tür zu, Ofen wieder anlassen, fertig.
Und jeden Morgen staunen, wie wenig Asche übrig bleibt, verglichen mit dem vielen Holz, das wir tags davor auf der anderen Seite reingelegt haben. Keine Ahnung, wo der Rest hingeht…

Nun, dieses Monstrum aus Stahl und Hitze verschlingt Holz mit einer Gier, wie ich eine Tafel Schokolade! Und wie mein Vorrat an Schweizer Schokolade, ist (leider!!!) auch der Vorrat an Feuerholz  beschränkt….
Jaja, das gute Feuerholz: Mit viel Liebe gefällt und gespaltet im letzten Sommer. Tage haben wir im Wald verbracht, Ausschau gehalten nach toten Bäumen, möglichst freistehend, dick genug, damit es auch anständig etwas hergibt, dünn genug, damit wir sie ohne Gefahr fällen konnten. LUMBEEEEER! Dann Rugeli schneiden, auf den Truck laden, zum Haus fahren, spalten, beigen, bis der Schopf voll war. Dann weiterbeigen um den ganzen Schopf herum. Stunden für Stunden, für Stunden. Im Sommer war ich sicher, dieses Holz reicht bis äne Tubak!

Aber jetzt ist März. Und immer noch liegt unsere Welt unter einer dicken Schneedecke. Von Frühling weit und breit keine Spur, so wenig wie von einem absehbaren Ende der Heizperiode.
Die Beige um den Schuppen ist längst weg, und auch im Schuppen stehen wir bereits vor dem letzten Haufen, sehen das Licht durchschimmern… Es stellt sich also nicht die Frage OB, sondern nur WANN uns das Feuerholz ausgeht. Vielleicht in 2 Wochen, 3?

Fest steht, bevor der Schnee geschmolzen ist, werden wir uns wieder auf die Suche machen müssen. Nach toten Bäumen. Genug dick, damit es etwas hergibt, genug dünn, damit wir sie noch fällen können.
Damit der ewig gierige Ofen ja nicht verhungert.

^esther

pS: Ein weiser Freund hat einmal gesagt: “Es gibt zwei Dinge, davon kannst du in Kanada nie genug haben: Geld und Feuerholz!”
Allerdings.

ppS: Das genau gleiche Prozedere macht natürlich auch der Hänsel, am Abend.

 

7 Wienerli und eine gefüllte Peperoni auf Eis.

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Was macht man an einem Sonntagmorgen, wenn es draussen etwas stürmt, bitzli schneit und es doch -10°C warm ist? Genau, man plant eine kleine Icefishing-Tour 🙂
Weil wir (also Esther) uns etwas mehr bewegen wollten, haben wir (das wär dann Roland) den Schneetöff in der Garage gelassen, die Hunde im Zwinger (die haben die Welt nicht mehr verstanden!!) denn heute ziehen wir den Hundeschlitten von Hand. Dick eingemummelt, die Schneeschuhe montiert, zogen wir los.
Den ersten Teil unserer Expedition konnten wir noch auf dem schön präparierten Hundeschlitten-Trail gehen, dann hiess es Tiefschnee-stapfen, auf direktem Weg zur Mitte des zugefrorenen Reggie’s-Lake.

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Voller Energie und Tatendrang wollte Esther sofort das Loch ins Eis bohren, doch so einfach wie das aussieht, ist es nicht: “Wie dick isch das Iis??? Bin i noni dure, oder chum i scho glii am Bode vom See ah?” Nope, noch nicht durch. Bei weitem nicht! Das Eis war an dieser Stelle (wie wir nach der ganzen Aktion sahen) über 40cm dick. Da musst du lange bohren… Keine 10 Minuten später stiegen wir darum auf die Rainer-Taktik um: Kettensäge. SssssummmmSssssummmSssssummmmm – et voilà, schon sprudelt das Wasser aus dem Loch. Ganz ohne Muskelkraft ging es dann aber doch nicht, das Eis war derart dick, da war das Sägenblatt sogar zu kurz, den letzten Schliff mussten wir also trotzdem mit dem Bohrer machen. Aber nusode, Loch offen, jetzt ran an den Fisch!

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Esther war natürlich sofort mit der Angel zur Stelle, also musste schleunigst ein Feuer her. Heja, roher Fisch schmeckt nicht gut. Das heisst also für Roland: ab mit den Schneeschuhen zurück zum Ufer, um mit der Kettensäge ein paar dicke Rugel Holz im Wald zu schneiden. Doch was passiert mit einer Kettensäge, mit der man vorher bei -10°C ein Wasserloch geschnitten hat? Jawoll, Kette ist am Schwert fest gefroren. Na Bravo. Dann halt zuerst nur etwas Kleinholz sammeln, Mini-Feuer anfachen, Schwert auftauen und dann erst Rugel schneiden. Gesagt, getan, das Feuer mitten auf dem See im Schnee brannte flott, kurz darauf hatten wir wieder eine funktionstüchtige Kettensäge.
Für meine Frau am Eisloch musste ich dann natürlich zuerst einmal einen Hocker schneiden, damit es etwas bequemer ist zum fischen (Danke Schatz!!). Und nein, bis jetzt hat noch kein Schwanz angebissen, aber wir geben nicht auf.
Das Feuer brennt nun lichterloh, höchste Zeit für eine Tasse Aufbrüh-Kaffee. Geht hervorragend mit zwei feuerfesten Campig-Bechern (Danke Familie Meyer), Schnee, viiiel geschmolzenem Schnee (ihr glaubt nicht, wie viel Schnee es braucht, um einen kleinen Becher mit Wasser zu füllen!) und etwas Kaffeepulver. Mmmhh, der Kaffee war eine super Mischung aus Rauch, Schnee, Asche, Kaffee und Lagerfeuer-Romantik.
Wie könnte es auch anders sein, kaum ist der Kaffee einigermassen warm, geht das Feuer aus. In der Hitze des Feuers schmolz natürlich der Schnee darunter, das Feuer hat sich quasi selbst gelöscht. Das zweite Feuer starteten wir darum mit einer dicken Holzschicht am Boden, das hat funktioniert, wir lernen schnell 😉

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“Esther, chunnt de Fisch öppe?” “Pffff – ich glaube i dem See hets gar keini Fisch dinn!”
So landeten halt auf unserem Feuer statt Forellenfilets 7 Wienerli und eine Peperoni, gefüllt mit Ziegenkäse, das ganze bei mittlerweile ziemlich windigen, eisigen Verhältnissen.
Aber das macht nichts, denn uns beiden kann eigentlich nichts den Appetit verderben, Essen ist unsere Leidenschaft 🙂

Bye Bye
Roland (und Esther)

PS: Wenn uns jemand erklären kann, wie wir das nächste Mal erfolgreich Fische aus einem Eisloch holen können, bitte sofort bei uns melden!! zimtstaenegl@zimtstaengel.ch

How To Build A Bridge For Dummies

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Das schöne an der Welt in Kanada: sie ist noch nicht fertig. Da hat es zum Beispiel noch nicht über jeden Bach eine Brücke, man muss die manchmal noch selber bauen, wenn man das Wasser überqueren will.
Andy, ein Freund von Rainer, und ebenfalls ein Musher, hatte genau dieses Problem: das Wasser war seinem Hundeschlitten im Weg. So hat er uns gefragt, ob wir ihm nicht helfen würden, eine Brücke zu bauen und so einen wunderschönen Trail für die Schlittenhunde zugänglich zu machen. Wir waren natürlich hell begeistert und wollten auf jeden Fall bei diesem Event dabei sein.

Bei -30°C um 09:30 ging es los. 2 Kettensägen, ein Schneetöff, ein paar Schaufeln, zwei/drei Sperrholz-Abschnitte, ein paar Nägel und einen Hammer hatten wir dabei.
Den Anhänger und die beiden Pickups mussten wir an der Strasse stehen lassen und die restlichen rund 1,5km zu Fuss gehen. Rainer und Andy brachten das schwere Gerät mit dem Schneetöff zum Bauplatz.

Eine kurze Besprechung, und wir wurden belehrt, dass wir nun ein paar Bäume bräuchten um diese Brücke zu bauen. Das hätten wir Dummies auch noch gewusst 😉
In nächster Nähe standen zwei tote Bäume im Wald, die durften wir als erstes fällen. Oder sagen wir: probieren zu fällen…. Denn bereits der zweite Baum fiel komplett in die falsche Richtung und war im hohen Schnee leider nicht mehr erreichbar. Tja das war der erste Baum für Roland im 2014, das kann nur noch besser werden.
So suchten wir halt etwas weiter weg vom Bach nach Bäumen von rund 40cm Durchmesser, die wir für unsere Brücke schneiden konnten. Nur tote Bäume natürlich, die lebenden sollen unbedingt weiter wachsen!

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Esther und Andy blieben derweil am Bach und fingen an,  eine Art Fundament zu bauen. Also Schnee wegschaufeln und schauen wo das Ufer genau ist und da dann einen Absatz ins Eis hacken, auf den dann die Baumstämme zu liegen kommen.
Rainer schleppte die gefällten Bäume vom Wald mit dem Snowmobil zum Bach, dort mussten sie nur noch mit der Kettensäge auf die richtige Länge zugeschnitten werden.

 

 

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Nach knapp 3 Stunden hatten wir genug Bäume zusammen, die Brücke war breit genug, damit ein Hundeschlitten einigermassen bequem darüber kommt. Die “Logs” wurden mit Sperrholz-Abschnitten notdürftig miteinander verbunden, es soll ja nichts davonrollen. Ein Geländer gibt es natürlich nicht.
Fehlt nur noch der richtige Belag: Mit der Schneeschaufel warfen wir nun Schnee auf die Brücke. Esther stand mit ihren super Gummistiefeln bei mittlerweile sonnigen, aber immer noch kalten -15°C im Bach und begoss den Schnee mit Wasser, damit das ganze über Nacht zu einer kompakten Eisschicht frieren kann.

 

Ein paar Tage später haben wir von Andy erfahren, dass die Brücke super sei, er könne nun mit seinem Hundegespann problemlos den Bach überqueren.

Nachtrag: es ist anscheinend nicht erlaubt Brücken zu bauen in der Natur von British-Columbia. Also. Ihr wisst von nichts und wir waren nie im Busch von Canada, sondern in Sotchi…
^roland & esther

Hey Teacher! Leave us Kids alone!

School-District-No-27

 

 
Ich will euch heute aus der kanadischen Schule berichten.
Seit einigen Woche gehe ich immer Donnerstags in den Ort (100 Mile House), um in der lokalen Primarschule den Kids beim Lesen auf Französisch zu helfen. Volunteering nennt sich das, Freiwilligenarbeit. Es sind 2. und 3. Grade-Schüler, das sind bei uns die 6-7 Jährigen.
(Kleiner Exkurs zum kanadischen Schulsystem: Schuleintritt ist hier mit 5 Jahren. Das Kind startet im 1st Grade, dann werden die Jahre durchgezählt bis zum Ende der obligatorischen Schulzeit in Grade 12. Grade 1-7 sind die Elementary School, aka Primarschule. Grade 8-10 die Junior Secondary, aka Sek. Grade 11-12 die Senior Secondary, immer noch Sek. In Grade 10, 11 und 12 müssen die Kids zu sogenannten Provincial Exams antraben, dort wird das Wissen nach genormten Tests gemessen. Nach der obligatorischen Schulzeit geht es direkt an die Uni oder zur Arbeit, Kanada kennt praktisch keine Berufslehren. Laut Wikipedia hat das kanadische Schulsystem einen sehr guten Ruf, was sich überhaupt nicht mit der Meinung der europäischen Auswanderer deckt…) Nun noch ein kleiner Zusatz: Viele Gemeinden im englischsprachigen Gebiet bieten das “French Immersion” Programm an. Das ist eine Klasse, die komplett auf Französisch unterrichtet wird. Also nicht Französisch als Fremdsprache, sondern da wird auch in Französisch gerechnet oder die Natur besprochen, das Französisch ist also quasi wie das Hochdeutsch in unseren Schulen. Und in genau so einer Klasse gehe ich einmal die Woche vorbei.

Am Anfang war ich ja sehr erstaunt, wie gut die kleinen Kinder bereits Französisch reden. Erzählen frisch von der Leber von ihren Spielsachen, ihren Haustieren, ihren letzten Ferien, denkt man den starken englischen Akzent weg, ist es sogar sehr gut verständlich! ABER: die Kinder haben trotzdem keine Ahnung, wie Französisch eigentlich funktioniert. Leider. Weil auf das Sprachenlernen selber wird sehr wenig Wert gelegt. Dies äussert sich natürlich dann besonders deutlich, wenn man die etwas älteren Kids in der Junior High Klasse besucht…

Beispiel: Letzten Donnerstag war ich in der “French Immersion” Klasse, Grade 10 “mal kuck’n”. Haarsträubend! (Dass die Kids im Unterricht iPhones auf den Tischen haben und Chips knabbern, klammere ich jetzt mal aus). Und ok, ich muss hier auch noch erwähnen, dass der Unterricht ohnehin fast nicht stattgefunden hat, da wir das Finale der Eishockey-Frauen schauen mussten (Kanada hat die USA geschlagen und Gold geholt). Immerhin lief im Fernseher im Klassenzimmer das Spiel auf dem Französischen Kanal. Wer das Spiel verfolgt hat weiss, es gab Verlängerung. Und die Pause zwischen Hauptspiel und Verlängerung hat die Lehrerin flugs genutzt und mit den Schülern den (angekündigten) Voci-Test gemacht.
So. Und jetzt kommt der Punkt, liebe Französischliebhaber unter euch: Die Kinder werden seit der 2. Klasse AUSSCHLIESSLICH in Französisch unterrichtet. Das heisst, diese Klasse hat 7 – 8 Jahre Französisch hinter sich. Aber mindestens die Hälfte der Klasse konnte die Wörter être (sein) und avoir (haben) nicht konjugieren!!! (Je suis, tu es,  il est, etc.)

J’étais choquée. Point.
^esther

O’pflanzt is!

Vielleicht haben wir uns von euren Fotos aus der Schweiz anstecken lassen, von den Krokussli, Schneeglöggli und Schlüsselblümchen. Vielleicht hat uns aber auch der grosse Temperaturunterschied von letzter Woche bis heute beeinflusst (nach arktischer Kälte von – 30 Grad sind es nun nur noch 0 Grad, was doch ein gigantischer Sprung ist). Dennoch ist hier von Frühling natürlich weit und breit noch nichts zu sehen, der Schnee liegt weiterhin dick und weiss. Von selber spriesst hier also noch gar nichts. Aber egal, bei uns ist es soweit, wir haben getopft.

Topf close

(v.l.n.r. oben: Schnittlauch / Basilikum / rubinroter Basilikum
unten: Wilde Wetland-Pfefferminze, selbstgesammelt / irgendein Rosmarin-Hybrid / grossblättriger Peterli)

Die Kanadier im Laden haben auch den Kopf geschüttelt, wie wir mit 10 verschiedenen Säckchen mit Saatgut an der Kasse standen: “You are not already planting, are you???? You know that we get frost until May? Most people in the area do not start planting before March/April!” (Für die Nicht-Englisch-Sprachigen: “Seid ihr nicht ganz bei Trost? Es ist viiiiiiel zu früh zum pflanzen! Ihr wisst schon, dass es hier noch bis im Mai gefriert? Jeder, der nur ein bisschen Ahnung von Garten hat in der Gegend, der pflanzt allerfrühestens im März, eher aber erst im April!”) – Türli wissen wir’s! Aber Geduld war noch nie unsere Stärke.
Und schliesslich ziehen wir ja erst die Samen. Und auch erst die Samen von den Kräutern. Und die Kräuter haben wir sowieso drin. Also – don’t panic!!
Und so warten wir gespannt, in welchem Topf das erste Grün spriesst…

Ich wette auf Peterli.
^esther

Topf

 

 

 

Gestreckter Adler vorwärts

2014.02.11-Lady-Schlepper

… vom Yeti gebissen, oder was man halt an einem bewölkten Nachmittag im kanadischen Busch so macht 🙂

Heute war Pausentag. In Sachen Sonne zumindest. Schon gestern hat das Wetter umgeschlagen, es ist wieder deutlich wärmer (-1 Grad nachmittags), es hat etwas geschneit, und vor allem viel gewindet. Das heisst, unsere schönen Hundeschlitten-Langlauf-Schneeschuh-Trails sind komplett verweht und zugeschneit.
Groomen ist angesagt! (Kurze Erklärung für alle nicht-Kanadier: “Groomen” = Schnee schnüüzen in Englisch. Der Groomer ist so eine Art Pflug, den montiert man hinten am Schneetöff, der Pflug ist sehr schwer, und der schneidet mit einem gezackten Messer die oberste Schneeschicht weg und drückt das ganze platt. Hinter dem Gefährt gibt es dann diesen gewellten Weg, wie vom Pisten-Ratrac. Genau, die Wellen, die man auf der Skipiste am Morgen immer als erste befahren will). Und was hier draussen ja so toll ist: es gibt keinen, der einem diese erste Fahrt auf den Schneewellen wegnimmt. Haha!
Aber noch viel mehr Spass macht es, wenn man diese Wellen nicht erst am Morgen danach reitet, sondern direkt, so wie sie entstanden sind.

Lasst mich doch von Anfang an erzählen: Groomen, ist eigentlich eine 1-Mensch Aktion. Einer (Rainer) sitzt alleine auf dem Schneetöff, hinten dran der Pflug, und fährt dann gemächlich die zugeschneiten Wege ab. Fertig.
Wenn der Schneetöff gross genug ist (was hier der Fall ist), kann ein zweiter Mensch (Roland) hinten drauf sitzen und mitfahren. Das ist ganz praktisch, sollte zum Beispiel ein Baum quer über dem Weg liegen (was hier durchaus vorkommen kann), oder sollte man mit dem
Schneetöff im Tiefschnee steckenbleiben (auch das kommt durchaus vor).
Und es ist natürlich für uns Busch-Neulinge sehr spannend, da wir so ständig mehr von unserer Umgebung kennenlernen. Mit dem Schneetöff kommt man in 2 Stunden wesentlich weiter, als mit den Schneeschuhen!
Gut. Und jetzt zur 3. bis anhin überflüssigen Person (ich): die sollte eigentlich daheim bleiben und die Wohnung staubsaugen, doch das eilt ja zum Glück nicht. (Das ist ja auch das gute hier draussen: sieht ja keiner!)
Also rauf auf die Schuppen-Skier, und ran ans Seil. Hinten, am Snowmobil montiert, genug lang, damit die Skispitzen nicht plötzlich im Pflug stecken, ergänzt mit einem kurzen Bungee (Gummiseil, das absorbiert schnelle Tempoänderungen), et voilà, fertig ist das … Hm. Ich hab grad keinen Namen für diese Konstruktion … Nennen wir sie: Lady-Schlepper.
So. Und jetzt nehme ich alles zurück, was ich über diese Schuppen-Skier gesagt habe! Die sind nämlich ganz schön schnell, wenn der Motor stimmt!
Links. Rechts. Hoch. Runter. Scharfe-Kurve. Achtung-Baum! Ducken. Schneegestöber. Noldi-Gaggi (zum Glück trag ich Skibrille!) Weiter. Halt! Peng.

Nach zwei Stunden wilder Fahrt durch die Gegend, beherrsche ich hervorragend folgende Bremstechniken:
– gestreckter Adler vorwärts
– kreuz über quer gespitzt
– Schneekugel in alle Richtungen
– Sandsack (auch bekannt unter dem Namen: Textilbremse)

Stilnote? Ich würde sagen 5.0 von wie viel dürft ihr selber entscheiden.
(Und jetzt bin ich nur noch gespannt, wo ich morgen überall Muskelkater haben werde…)
^esther

Ps: ich glaube, jetzt hat grad der Hund unter dem Tisch gerülpst. Wusste gar nicht, dass die das auch können!

Gold für Dario, Bronze für Esther

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Es muss eine ganz einfache Erklärung geben für unsere
nationalen Erfolge im Langlauf.
Es muss irgendwo in unseren Genen gespeichert sein.
Ich meine, reisst sich der Dario Cologna im Herbst beim Joggen die Sehne und holt sich dann trotzdem (!!!) auf Anhieb Olympiagold!
Und dann wir, stehen im Januar zum ersten Mal in unserem Leben überhaupt auf Langlaufskiern und holen an unserem allerersten Rennen, dem Cariboo Marathon, direkt Bronze!!

 

 

Anmerkung 1: in der Gruppe Recreational 20km, Recreational = Pläuschler
Anmerkung 2: Zeit? 2:06:08, aber mit Schuppen-Skiern, das ist quasi Langlauf mit angezogener Handbremse, da muss man auch beim runterfahren noch angeben!
Anmerkung 3: Die Bronzemedaille gebührt Esther allein, Roland hat ausser Konkurrenz am Rennen mitgemacht, er gewann aber eindeutig in der Kategorie “Schneebart”.
Wir starteten am Morgen bei -22 Grad, kälter war es in der Geschichte des Cariboo Marathon nur 1984 mit -24 Grad…

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Anmerkung 4: An der Preisverleihung am Abend gab es einen Schoggibrunnen!! Und Tanzmusik. Es heisst, dieser Anlass sei eines der Highlights des Jahres hier in 100 Mile House. Passt!

– 30 Grad

– 30 Grad. Das ist wie wohnen in der Tiefkühltruhe. Wobei dort die Mindesttemperatur offenbar nur bei -18 Grad liegt, hat mir Wikipedia erklärt…

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Diese extreme Kälte war ja mit ein Grund, warum wir gerade im Winter nach Kanada gegangen sind. Wir wollten dies einfach mal erlebt haben. Und nach anfänglicher Gnadenfrist bei – 10 Grad, ist das Thermometer nun seit einigen Tagen in der roten Zone (rote Zone bezieht sich in erster Linie auf meine Nase).
Das spannende an dieser Kälte ist ja, dass sie einen nicht nur draussen beschäftigt, sondern es fängt bereits drinnen an. So starte ich zum Beispiel im Moment meine Dusche mit dem Föhn. Genauer gesagt startet Roland meine Dusche mit dem Föhn. Unser Abflussrohr gefriert nämlich ständig zu… und nachdem ich dreimal dachte “das taut dann schon auf vom warmen Wasser, es braucht nur etwas Zeit”, die Duschwanne kurz darauf randvoll mit Wasser war, wir in der Folge das Wasser mit Pfannen abschöpfen mussten (und wie immer in solchen Situationen ist die Wanne ja genau dann voll, wenn man sich von oben bis unten einschamponiert hat und garantiert keine Duschpause brauchen kann…), und es ist wirklich nicht angenehm, wenn man nass und voller Seife in der Dusche steht, bei einer Raumtemperatur von ca. 17 Grad (dazu kommen wir später). Aber eben. Wir sind ja lernfähig, und seither startet meine Dusche eben mit dem Föhn. Sprich: ich teste schnell, ob der Abfluss läuft (was er eben nicht tut), dann schnappt sich Roland meinen Föhn, geht damit in die Werkstatt runter (wo die Leitungen von unserem Haus durchlaufen) und taut dann süüüferli mit dem Föhn die Leitungen auf. (Danke Schatz!!)

Nun zur Frage: warum sind es in unserem Bad nur 17 Grad? Dafür gibt es mehrere Gründe:
1. Bei – 30 Grad geht ihr nicht aus dem Haus ohne dicke, warme, lange Unterhosen (genau, diese Liebestöter). Und wenn ihr reinkommt, dann zieht ihr alles aus. Jacke, Mütze, Handschuhe, Halstuch, Sensationell-bei-jedem-Wetter-Muckboots alles, bis auf diese dicken, warmen langen Unterhosen. Und weil die Dinger wirklich sehr schön warm sind, würde man bei 22 Grad Raumtemperatur schwitzen (ist jetzt vielleicht etwas übertrieben, aber so ungefähr in diese Richtung geht’s).
2. Wir haben keine Bodenheizung. In Wohnzimmer und Schlafzimmer macht dies nicht so viel aus, da haben wir Holzböden, zudem laufen wir den ganzen Tag in unseren Superwarm-Daunenfinken rum. Im Bad haben wir aber Plattenboden, entsprechend ist es da immer etwas kälter. Und da man mit diesen Daunenfinken nicht so gut duschen kann, kriegt man natürlich rasch kalte Füsse.
3. Bei – 30 Grad kommt unser Holzofen etwas an den Anschlag. Wir heizen ja lediglich mit einem Ofen im Wohnzimmer, der reicht im Normalfall zur Genüge, aber er will regelmässig gefüttert werden. Bei diesen Temperaturen besonders. Und wenn wir das mal vergessen (weil wir mit unseren dicken, warmen, langen Unterhosen in den Superwarm-Daunenfinken auf dem Sofa sitzen und heissen Tee trinken), dann sinkt die Raumtemperatur ziemlich zackig von angenehmen 20 Grad auf eben 17 Grad oder noch tiefer…
Mit dem gleichen Phänomen kämpfen wir übrigens auch jeden Morgen: Auch wenn wir in der Nacht mindestens einmal Holz nachlegen, ist es am Morgen dennoch meist nur noch so um die 14 Grad im Wohnzimmer.
Was einem dann aber wiederum, kaum ist man einmal kurz vor die Tür gestanden, so vorkommt, als wäre man in Rio am Strand (das ist jetzt vielleicht wieder etwas übertrieben, aber ein bisschen kommts schon hin).

Das Leben bei – 30 Grad mag unglaublich anstrengend klingen, aber ich sage euch, man gewöhnt sich daran. Und ehrlich gesagt, finde ich diese Extremtemperaturen gar nicht mühsam, sondern sehr, sehr toll! Die Welt draussen ist fantastisch! Im Wald knacken die Bäume, die Luft ist unglaublich klar, der Schnee knirscht nicht mehr, der knackt richtig unter den Füssen und der Rauch vom Kamin steigt auch nicht mehr in den Himmel auf, sondern blidet lange Schleierwolken und bleibt ein paar Meter über dem Boden hängen. Herrlich.

Man muss bei diesen Temperaturen auch nicht den ganzen Tag mit den Daunenfinken auf dem Sofa sitzen und heissen Tee trinken. Kommt nämlich die Sonne hervor (was sie derzeit täglich tut) dann wird es schnell wärmer, und gegen Mittag haben wir dann wieder angenehme -16 Grad. Bei diesen Temperaturen gehe ich langlaufen, und habe bei dieser Gelegenheit mal wieder meinen Damenbart kennenglerent.
^esther

Esther im Schnee1

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

PS. Mitteilung an alle Schüler: Hier gibt es sowas wie Kältefrei. Wenn die Temperaturen morgens um 6 Uhr bei -32 Grad sind, dann fahren die Schulbusse nicht. Auf der Homepage der Schule wird dann sofort eine entsprechende Warnung platziert.
Bildschirmfoto 2014-02-07 um 08.57.59Weil die meisten Schüler hier von diesen Bussen eingesammelt werden, können sie folglich nicht zur Schule gehen (bzw. sie haben eine hervorragende Ausrede)
In der Primarschule erscheinen an solchen Tagen noch etwa die Hälfte der Kinder zum Unterricht, weil die Eltern sie persönlich abladen, in der Sekundarschule, wo die Kinder selber entscheiden, bleiben die Zimmer logischerweise: komplett leer.