Category Archives: Das werde ich meinen Enkeln erzählen!

Es gibt Dinge, Erlebnisse, die sind so einzigartig, dass man sie nie mehr vergisst. Räuberpistolen. Momente, die sich einbrennen in der Hirnrinde. Die gespeichert werden im Langzeitgedächtnis, die man immer und immer wieder erzählen will. Am Kaminfeuer. Am Lagerfeuer. Im Grossvater-selig-Sessel.

Baby, Baby – uuuuh, Baby, Baby!

Welcome to the World *Max* Hugo!

Läck haben wir lang planget auf diesen Moment und jetzt ist er da. Unser Sohn. Max. Wir sind überglücklich und können es eigentlich noch gar nicht glauben.
Geboren am 27. Februar 2017, um 01:42 Uhr
Grösse: 53cm
Gewicht: 4190 (!) g

Gsund und munter, gfrässig und (natürlich) das schönste Baby der ganzen Welt! 🙂

Gerade nach der Geburt

Mama ist froh, ist die lange Wartezeit endlich vorbei. Am Schluss war der Bauch gar gross und die Geduld gar klein. Und auch Papa ist beruhigt, dass er nicht mehr jeden Tag überlegen muss, welche Termine er eigentlich verschieben müsste, wenn das Baby heute käme….

Nun, viel mitzureden hatten die beiden natürlich nicht. Bezüglich Tag X. Wenn es nach der Mama gegangen wäre, dann wäre es nämlich bereits Anfang Februar losgegangen. Doch nichts passierte. Ein paar Übungswehen, kurze Hoffnung, fertig. Dabei war alles bereit. Kopf am richtigen Ort, schön tief im Becken, Muttermund praktisch weg, Gewebe von Literweise Himbeerblättertee schön weich, doch die Wehen wollten und wollten nicht einsetzen.  Der offizielle Termin kam näher, strich vorüber, es kam noch ein Tag, und noch ein Tag, und noch ein Tag. Ja, hier entschied für einmal nicht der Grind der Mama, da konnte sie noch so täubelen. Der kleine Max hatte sich ganz einfach den 27. Februar als Geburtstermin ausgesucht.
(Ein grosses Dankeschön an dieser Stelle an alle, die die Launen der werdenden Mutter ausgehalten haben!)

Drin geblieben ist noch keines!

Der Lieblingssatz der letzten Tage….
ENDLICH wurde er wahr.
Die Fruchtblase platzte bereits am frühen Sonntagmorgen. Ein zweiter Schwall ging etwas später vor dem Gunzi-Kaffi beim Einkaufen des Sonntagmorgen-Zopfs. Papa musste grad schauen, ob etwas auf den Boden ging. Natürlich nicht 😀 Die richtigen Wehen kamen aber erst um 21Uhr abends. (Ja, wieder eine Geduldsprobe für die jungen Eltern)
Im Spital in Liestal sah es zunächst ganz danach aus, als müssten wir noch einmal viel Geduld an den Tag legen, die Wehen waren zwar spür- und hörbar da, von Geburt aber noch nichts in Sicht. Die Hebamme wollte uns bereits wieder nach Hause schicken.
Doch innert kürzester Zeit hiess es plötzlich: “Ui, es kommt!”.
“Sie können für ihr Kind einen Friseurtermin abmachen, da ist der Kopf”, war das nächste, was der werdende Papa hörte und sah (die Mama theoretisch auch, aber sie war zu sehr mit der Geburt beschäftigt). Und dann, Punkt 1Uhr42 war es geschafft. Max erblickte das Licht der Welt und tat seinen ersten Schrei.
“Hello World!”

Danke allen, die uns vor, während und nach der Geburt unterstützt haben ♥♥♥

   

   

ByeBye Bear Skull

bear skulls

Well… es ist über ein Jahr her, seit ich das letzte Mal Fuss auf kanadischen Boden gesetzt habe. Warum ich wieder hier bin? Nun, als wir Ende 2014 abreisten, waren wir überzeugt, sehr bald wiederzukommen. Darum haben wir ziemlich viel Zeugs bei einer Freundin im Keller eingelagert. Da wir aber definitiv nicht nach Kanada auswandern werden, können wir diese Dinge nicht einfach auf ewig im Keller lassen. Ich bin also in Aufräum-Mission unterwegs.
Dazu gehört natürlich gleichermassen die Bring-so-viel-wie-möglich-heim-Mission. Und wer meinen Mann kennt, der weiss, was bei ihm zuoberst auf der Heimbring-Liste steht: Bones. Knochen. Und dazu noch ein paar Geweihe.
All right! Die liebende Ehefrau fährt also nach Kanada mit dem Auftrag neben ein paar wenigen wichtigen Gegenständen auch noch die 2 Bärenschädel, den Elchschädel und die schönsten Geweihe heimzubringen. Fragt sich nur…. darf man das? Der Schweizer Zoll ist diesbezüglich überraschend hilfreich und sagt: sofern Ihnen Kanada die Ausfuhrbewilligung erteilt, ist das kein Problem.
Ausfuhrbewilligungen gibt es in Kanada beim Jagdaufseher. Und der Jagdaufseher hat sein Büro sogar in 100 Mile House. So weit so gut. Ich packe die Schädel also in eine Box und fahre zum Amt.
Ich: “Grüezi, ich hätte gerne eine Ausfuhrbewilligung für meine Bärenschädel.”
Frau: “Bärenschädel?”
Ich: “Bärenschädel.”
Frau: “Woher sind die?”
Ich: “Von einem Freund. Der hat sie uns geschenkt. Er selber hat sie schiints im Wald gefunden” (Mal vorsichtshalber bitz flunkern hat noch nie geschadet).
Frau: “Oh! – Hold on, I have to ask one of my officers.”
– hmm…… Officers…. –
Frau: “Wie viele Schädel haben sie gesagt?”
Ich: “2. Und ein Elchschädel.”
Frau: “Das ist kein Elch. Der hätte niemals Platz in dieser Box.”
Ich: “Oh!” (Bitz betüpft, waren wir doch so überzeugt, damals einen echten Elch gefunden zu haben!)
Frau (telefoniert mit ihrem Officer): “…. jaja…2 Bärenschädel…. will sie in die Schweiz nehmen….. von einem Freund…. gefunden, sagt sie…. und ein Elchschädel…. Moment rasch … (an mich gewandt) Kann ich den Elch mal sehen? ….. (ich halte ihn stolz hoch) nein, kein Elch. Definitiv. Wahrscheinlich ein Reh…. ok. Danke!”
Frau: “also….. Diese zwei hier….(sie nimmt die beiden Bärenschädel und legt sie auf den Tresen) bleiben bei mir. Und dieser hier (sie nimmt den vermeintlichen Elch) ebenfalls.”
Ich: “Was????”
Frau: “Illegaler Besitz von Wildtieren. Macht jetzt nichts, weil Sie es nicht wussten, aber wenn wir Sie damit erwischt hätten, hätte das eine saftige Busse gegeben!”
Ich: “….”
Tja, das war’s dann auch. Immerhin weiss ich jetzt mit Sicherheit, dass es wirklich zwei Bärenschädel waren. Und der dritte, nun, wahrscheinlich ein gewöhnliches Reh, vielleicht ein Rentier, aber ganz sicher kein Elch.
Was meinen Mann gefreut hat: die Geweihe sind offenbar überhaupt kein Problem. Dieses sind erlaubte Fundstücke. Die sind nämlich von den Elchen höchstpersönlich abgestossen worden, und was das Wildtier von sich aus nicht mehr will, das darf der Mensch haben. Glück gehabt!

^esther
Ps: Das Abschiedsfoto (oben) war zum Glück ebenfalls erlaubt.

Gestempelt und Gelabelt – bereit zum Verkauf

Gelabelt

Mai, Juni, Juli, August, September, Oktober, November, Dezember,  Januar.  9 Monate. Man kann es fast nicht glauben, es ist noch kein Jahr vergangen, seit unsere ersten Hühner aus dem Ei schlüpften. Und schon legen sie fast täglich selber ein Ei, das wir stolz mit dem Label EM – Zertifiziertes Produkt verkaufen dürfen.

18 Legehennen zählt die stolze Herde, dazu kommt Willy unser strammer Zuchtgüggel. Den braunen Dreck-Spuren auf den Rücken der Hennen nach, nimmt er seinen Job ganz offensichtlich sehr ernst 😉 (Wir freuen uns schon auf den Frühling, wenn wir unsere ersten eigenen Bruteier ausbrüten können).Willy! Putz gefälligst deine Füsse...

Die hellen Köpfe von euch haben bestimmt schon gerechnet: 18 Legehennen = Eierschwemme im Hause Buser. Nun nicht ganz, unsere Hühner sind ja keine dieser gezüchteten Legemaschinen, sondern ursprüngliches Nutzgeflügel. Das heisst, sie legen “nur” 170 – 200 Eier im Jahr, geben dafür aber auch sehr gute Poulets her. Dennoch habt ihr schon recht, wenn ihr denkt, dass bei uns mehr Eier vorhanden sind, wie wir selber verspeisen können. Ausserdem wollen wir derart Gutes mit der Welt teilen, darum haben wir entschieden, einen kleinen Eier-Verkauf zu starten:

Schritt 1 – Eierstempel. Das verlangen die Richtlinien der Direktvermarktung. Auf jedes Ei muss das Legedatum, natürlich in lebensmittelverträglicher Stempelfarbe.

Schritt 2 – Eierschachteln. Wir können die Eier ja schlecht im Plastiksack verkaufen. Ähm… 260 Stück? Momoll, Karton verdirbt nicht so schnell.

Schritt 3 – Etikett. Phu! Grosse Herausforderung. Mit oder ohne Bild? SchwarzWeiss oder Farbig? Mit tausenden Tabulatoren und Leerschlägen oder doch eher mit geschickt platzierten Textfeldern? Komputer und Nerven kamen gleichermassen an ihre Grenzen, doch nun steht der Prototyp (siehe oben).

Schritt 4 – Label. Natürlich! Wir produzieren schliesslich aus Überzeugung ein äusserst hochwertiges Produkt. Wir füttern ausschliesslich zertifizierte Bio-Körner, geben viel frisches Gemüse aus dem Garten und mischen unseren Hühnern jeden Tag ein bisschen gesunde EM-Bakterien ins Trinkwasser. Dies sorgt für eine gute Darmflora und das freut Huhn und Halter gleichermassen. Und unsere Bemühungen wurden belohnt, unsere Eier sind offiziell ein EM-Zertifiziertes Produkt. Ganz wichtig ist uns auch das Gütesiegel von Pro Specie Rara. Beantragt ist es bereits, sobald wir positive Antwort erhalten, werden wir euch umgehend hier informieren.Eieiei

Fehlt also nur noch Schritt 5 – Verkauf. Ähm – wer will? S’het solang s’het 🙂

E Guete allersiits!

^esther

Ps: Den Preis für unsere Eier sind wir euch noch schuldig, CHF 5.40 pro 6er Pack.

Das Problem mit den Pietäten

Fleisch oder nicht Fleisch? Mit dieser Frage werden wir heutzutage oft konfrontiert, spätestens, wenn wir einem Vegetarier gegenüber sitzen. Zuerst wird die Grundsatzfrage gestellt – Wer gibt uns das Recht, ein Tier zu töten um zu essen? Dann kommt der Appell ans Gewissen – Wenn schon Fleisch, sollte es zumindest von einem Tier sein, das ganz klar ein glückliches Leben hatte (aber dieses ist so unglaublich günstig!), das höchstens eine kurze Reise hinter sich hat (aber dieses ist so unglaublich günstig!!), dem ich darum leider nicht wiederstehen kann (es war so unglaublich günstig!!!). Das schlechte Gewissen ist dank einem Bio-Rüebli meist schnell wieder verdrängt und vergessen. Immerhin ist das Gemüse neben dem Fleisch im Teller glücklich und das nächste Mal nehme ich wieder das andere – versprochen!
Nun, jeder soll essen, was ihm oder ihr beliebt. Was mir allerdings nicht in den Kopf geht ist –
Warum haben so viele dieser pietätvollen Fleischesser plötzlich Probleme damit, wenn das Tier, das auf meinem Teller liegt, von mir selbst geschlachtet wurde?
Meine lieben Karnivoren, ich glaube es ist mal wieder Zeit für ein bisschen Konfrontation mit der Realität. Alles Fleisch, das ihr esst, wurde vorher geschlachtet. Imfall. Nur weil es jemand getan hat, den ihr nicht kennt, macht es den Akt nicht weniger brutal. Im Gegenteil! Oder wisst ihr, wie es eurem zukünftigen Plätzli erging, als es plötzlich in einem unbekannten Gefährt zum Schlachthof gebracht wurde? Hatte es Angst? War es eingepfercht? Hat es gelitten? Oder war es vielleicht froh, endlich von der Hölle des Lebens im engen Stall befreit zu werden?
Ja – solche Fragen mögen wir gar nicht. Blenden wir gerne aus. Verständlich. Mach ich auch so.
Genau darum bin ich froh, dass ich nun unsere Hähne essen darf, die ich selber schlachten konnte.
Ich weiss nämlich, dass sie vom ersten Tag an ein glückliches Leben hatten, denn ich war dabei, als sie aus dem Ei schlüpften. Ich habe sie von der ersten bis zur letzten Minute gehegt und gepflegt, habe ihnen frisches Wasser und hochwertiges Futter gebracht, habe mit ihnen geredet. Und ich habe ihnen die Hühner-Füsse gehalten, bis es vorbei war.
Nein, schlachten ist nicht “toll”. Aber es ist der einzige Weg zum Fleisch auf dem Teller. Der Tod schliesst den Kreislauf des Lebens.

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Und glaubt mir, selbst geschlachtetes Fleisch isst man unglaublich dankbar.

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^esther

Das moderne Tagebuch am Arm

Ich werde ja regelmässig gefragt: Was trägst du da für ein komisches Band an deinem Arm, ist das eine Uhr???
– Nein, das ist ein Schrittzähler. Aber kein normaler Schrittzähler.
– Warum?
I tell you why. Anhand einer Tagesauswertung von letzter Woche. Es war an während unseres Ausflugs nach Vancouver…

2011-11-21_Fitbit-TrackKurze Legende für Nicht-Schrittzähler-Besitzer:
Grün bedeutet hohe Aktivität
Gelb bedeutet normale Aktivität
Rot bedeutet wenig Aktivität
Nichts bedeutet logischerweise keine Aktivität.
Tagesziel: 10’000 Schritte. Haben wir locker übertroffen, wie ihr seht.

Jetzt kommt der spannende Teil, nämlich wie kamen die Schritte zu Stande….

1) Ort: Youth Hostel Granville Street, Vancouver
Aktivität: Einmal umdrehen im Bett. Matratze etwas durchgelegen, ansonsten tiptop!

2) Ort: siehe 1)
Aktivität: Toilette

3) Ort: Frühstücksraum
Aktivität: 2 Stockwerke runter, Vollkorn-Bagel fassen, Kaffee fassen, hinsetzen. 2x zurück zur Kaffeemaschine, 1x zurück zum Toaster (der Bagel mag doch noch etwas mehr Schwärze vertragen). 2 Stockwerke hoch mit Zusatzgewicht (2 Muffins und ein Rosinen-Bagel vom Frühstücksbuffet. Psssst!)

4) Ort: Downtown Vancouver.
Aktivität: Auf zum Shopping-Trip. Voller Elan los – Mist! Die Läden sind noch zu. Mist! Es regnet in Strömen. Mist! Wir haben nur einen kleinen Schirm. Lösung: Ab zu unserem Auto in die Parkgarage, dort sind unsere Regenjacken.

5) Ort: Parkhaus Downtown.
Aktivität: Wo ist unser Auto? Nein, ernsthaft. WO ist unser Auto???? UNSER AUTO IST WEG!
1x Parkhaus hoch und wieder runter, ohne Erfolg. Ab zum Parkhauswächter beim Eingang, kurze verbale Auseinandersetzung.
Telefonat mit dem Abschleppdienst. Erleichterung! Unser Auto ist nicht geklaut, es wurde “nur” von der Polizei abgeschleppt. Aus Sicherheitsgründen. Weil es (vermutlich) aufgebrochen wurde.

6) Ort: Skytrain (= U-Bahn)
Aktivität: Nerven beruhigen auf dem Weg zum Abschlepp-Park, wo unser Auto stehen sollte. Rätseln. Oh Gott! Hoffentlich haben sie unsere Wanderschuhe nicht geklaut. Oh Gott! Hoffentlich ist unsere Matratze nicht komplett nass von all dem Regen. Uuuuuuh… Stimmung nicht gut…..

7) Ort: Industriequartier Vancouver
Aktivität: Abschlepp-Park an der Industrial Avenue suchen. Es regnet immer noch in Strömen. Wo um alles in der Welt ist diese ***** Industrial Avenue?? Wir fragen den Pakistani im Möbelladen. Industrial Ave? Has your car been towed? (Wurde euer Auto abgeschleppt?) – Haha. Witzbold. Yes, indeed. (Allerdings)

8) Ort: Busters Towing, Office
Aktivität: Anstehen. Betonbüro. Grüne Wände. Flackerndes Licht. Abgelöschte Schalterfrau. Nein, wir haben nicht falsch geparkt, unser Auto wurde aus Sicherheitsgründen abgeschleppt. Was??? 115 Dollar???? Zahlt das die Versicherung????

9) Ort: Busters Towing, Parkplatz
Aktivität: Auto suchen. Es regnet immer noch in Strömen. Da steht es! Seitliche Scheibe ist kaputt, aber immerhin mit Plastik abgedeckt. Matratze demzufolge gerettet. Glück gehabt! Wanderschuhe sind auch noch da. Glück gehabt! Wanderrucksack ist weg. Kein Glück gehabt. Regenjacken sind ebenso weg und noch ein paar andere Dinge. F****!!!
Immerhin ist die Security Guard nett. Erklärt uns, dass Speedy Glass die Scheibe sicher schnell reparieren würde. Und tröstet uns, dass uns das in jedem anderen Parkhaus auch passiert wäre. Merci. Vancouver, weisch. All diese vielen Obdachlosen. Horrible! (Indeed)

10) Ort: Tim Horton’s Parkplatz
Aktivität: Knabbern. Früchtebrot und Rüebli. Selbst mitgebracht. War immer noch im Auto. Hunger hatte der obdachlose Einbrecher also offenbar nicht. Telefon mit ICBC (Autoversicherung). Sind wir versichert? Nur für die Scheibe. Aha. Selbstbehalt von 300$. (F***!) Aha. Speedy Glass ok? Ok. Dann gehn’ wir also da hin.

11) Ort: Starbucks
Aktivität: Neu gekauften Regenschirm zusammenklappen. Durchatmen. Sitzen. Kaffee trinken.
– Sendepause –
Lage besprechen: Auto ist versorgt, Speedy Glass flickt die Scheibe bis heute Abend. Okey. Was machen wir eigentlich dann mit dem Auto? Hm. Gute Frage. Wir wollen noch bis Morgen in der Stadt bleiben. Vielleicht behalten sie es bei Speedy Glass?

12) Ort: Streets of Vancouver
Aktivität: Schnell zurück zu Speedy Glass! Ja, sie behalten es bis Samstag in ihrer Garage. Glück gehabt. Unser Auto ist somit vorläufig sicher.

13) Ort: Fancy Outdoorshop
Aktivität: Geklaute Regenjacke ersetzen. Hat sich noch nie mehr gelohnt. Genau, es regnet immer noch in Strömen. Ein Lob an dieser Stelle an den Erfinder von Gore-Tex, unsere Trekkingschuhe halten dicht.

14) Ort: Polizeiposten
Aktivität: Warten. Warten. Warten. Warten. Warten. Warten. Warten. Doch, so ein Polizei Rapport ist wichtig. Vielleicht haben wir ja eine Diebstahlversicherung, die für die geklauten Dinge aufkommt.
– Wie bitte? Dort drüben weiter warten? Okey.
Warten. Warten. Warten. Warten. Warten.
– Wie bitte? Warten, bis sie den Rapport in ihren Computer eingeschrieben haben? Okey.
Warten. Warten. Warten. Warten.
– Wie bitte? Den Rapport im Polizeibüro am anderen Ende der Stadt abholen? Häh?? 50 Dollar kostet der??? Und das andere Polizeibüro schliesst in einer Stunde???? – RUN FOREST!

15) Ort: Save-On-Foods
Aktivität: Wasser kaufen. Polizei macht durstig. Schnell auf die Uhr schauen: Help! Wie um alles in der Welt sollen wir es in einer Stunde mit dem öffentlichen Verkehr ans andere Ende der Stadt schaffen?????

16) Ort: zurück im Polizeiposten von 14)
Aktivität: Verhandeln.
– Entschuldigung, das ist aber wirklich nicht möglich, was sie da von uns verlangen!
– OH! Sie haben recht, kein Problem, ich drucke ihnen den Rapport gleich hier aus. Gratis. Nein, kein Witz. Wissen sie, nur die Bewohner von Vancouver müssen auf den anderen Posten. Für Besucher ist der Rapport kostenlos. Bitte entschuldigen sie die Umstände. Es tut uns unglaublich leid, was ihnen wiederfahren ist!
– Merci… Haben sie vielleicht einen Wanderrucksack förig?

17) Ort: Streets of Vancouver
Aktivität: Zurück zum Hostel. Es regnet immer noch in Strömen. Wo kommt nur all das Wasser her…? Schlafen.

18) Ort: Steakhouse
Aktivität: Bellini trinken. Guuuuuuuut. Dieser Tag war wirklich unglaublich. Ja gern, noch einen Bellini. Und diesen Super-Bacon-Double-Great-Cheese-Yummie-Burger mit Extra Pommes.

19) Ort: Youth Hostel Granville Street
Aktivität: Schlafen. Ende, Aus.

Seht ihr? Ich sagte euch doch, dass das kein normaler Schrittzähler an meinem Arm ist. Das ist ein modernes Tagebuch. Vielleicht schreibe ich eines Tages mit diesen Daten meine Memoiren. Das erste Kapitel kennt ihr ja jetzt.
^esther

Absolute Glückseligkeit….

… hat seit gestern 10 Buchstaben. Haha, ratet mal! Nein, es hat nichts mit Nachwuchs zu tun. Die absolute Glückseligkeit ist mein nigelnagelneuer S.C.H.L.A.F.S.A.C.K. Wärt ihr nicht drauf gekommen, hä? I tell you why, dazu muss ich aber ein bisschen ausholen.

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Als wir im Frühling 2013 die Koffer für unser erstes Kanada-Abenteuer packten, fand ich (warum auch immer) meinen geliebten, uralten Daunenschlafsack nicht mehr (falls ihn jemand gesehen hat…?). Er hatte seine besten Zeiten zwar längstens überschritten, die meisten Federchen in Pfadizelten und Heustöcken verloren, aber es war trotz allem immer noch ein relativ warmer Schlafsack. Praktisch, wenn man Ferien in kaltem Klima plant. Doch da der alte Schlafsack wie gesagt spurlos verschwunden war, musste notfallmässig ein neuer her. Damals waren wir überzeugt, dass wir lediglich in unserem Auto schlafen wollten, es dort drin warm genug sei (läck waren wir naiv!) und so entschied ich mich für die Variante billig, handlich, dünn. Fehler. Grosser Fehler. Ich erinnere mich an genau zwei Nächte, in denen ich nicht gefroren hätte. Trotz Mütze, Handschuhe, Rollkragen, Wollsocken und Innenschlafsack. Der “point of no return” kam diesen August, als ich mit meinem Bruder Martin die Bowron Lakes bepaddelte und uns ein plötzlicher Wintereinbruch überraschte. In dieser eisigen Nacht habe ich mir sicher 100mal geschworen “Jetz isch fertig mit dem dünne Seich!!!” (das ist jetzt die zensierte Version)
Ein bisschen Geduld musste noch sein, aber seit vorgestern bin ich stolze Besitzerin der 1.6 Kilogramm schweren, daunengefüllten, absoluten Glückseligkeit in Orange mit blauem Reissverschluss.

Nun, eigentlich habe ich mein Glück ja den Lachsen zu verdanken. Die schwimmen derzeit zu Millionen vom Meer her die Flüsse hoch bis tief ins Landesinnere, um dort zu laichen und dann zu sterben. Ein Spektakel, das wir uns unbedingt ansehen wollten. Einer der berühmtesten Lachs-Beobachtungs-Plätze ist am Adams-River, kurz nach Kamloops. Kamloops? Das ist knapp 250km südlich von uns, da wo all die grossen Einkaufszentren sind. Tschegget? Kamloops + Einkaufszenturm = neuer Schlafsack für Esther. Wenn wir den Lachsen schon einen Besuch abstatten, so dachten wir, dann verbinden wir das doch gleich mit einer langen Wanderung, inklusive Übernachtung. Und so wurde der neue Schlafsack gleich probe-geschlafen. Bilanz: Ich will dieses superflauschige Ding nie mehr verlassen. Nie mehr. Ich lebe ab jetzt da drin.

2014-10-17_0198-2014-10-17_0202_1024Na gut, wandern im Schlafsack war dann doch keine Option, so realistisch war ich am nächsten Morgen trotz aller Glückseligkeit. So zogen wir also in “normalem Wanderoutfit” los zu den Fischen. Ich sage euch, die Lachse sind unglaublich eindrücklich! Wir haben Fische gesehen, riesig, knallrot, hunderte, tausende! Unten im Talboden war der grosse Adams River wie gesprenkelt. Derart viele rote Fische schwammen da drin. Alles Sockeye-Lachse. Und nicht nur da, bis zuhinterst in einem winzigen Bergbächlein waren sie. Einzig ein Biberdamm hat die Lachse in ihrer Wanderung gestoppt, solange noch irgendein Schlupfloch im Wasserlauf vorhanden war, 2014-10-17_0192-1024fanden wir Fische flussaufwärts. Sie sind alle die fast 500km vom Meer in Vancouver über den Fraser River bis hier hoch geschwommen, nur um zu Laichen und dann zu sterben. Viele Fische hatten den Zweck ihrer Reise auch bereits erfüllt, das war unschwer zu riechen, je näher man dem Flussufer kam. Für schwache Nasen ist der “Salmon-Run” also definitiv nichts! Es kann aber durchaus auch vorkommen, dass man eine Brise “verwesender Fisch” mitten im Wald abbekommt, weit vom Flussufer entfernt. Vögel, Bären oder andere hungrige Wildtiere verstreuen die Lachse nämlich gerne in grossem Umkreis…

Unsere Wanderung dem Lachs-Fluss entlang war aber auch noch aus einem anderen Grund unglaublich eindrücklich: ich glaube wir haben noch nie derart viele verschiedene Pilze gefunden! Unser bekannte Slippery Jack war da, aber auch Röhrenpilze, Trompeten, Baumpilze, in Haufen, einzeln, alles! Da sieht man mal wieder was es ausmacht, wenn es in einer Gegend etwas häufiger regnet. Unser Pilzmentor Gary hat wohl recht, es ist ein Jahrhundertpilzjahr! (Keine Angst, wir haben diesmal keine gepflückt, nur angeschaut und gestaunt.)

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Pilze, Fische und die absolute Glückseligkeit in Orange. Ich würde sagen, ein äusserst erfolgreicher Ausflug. Wohin gehn’ wir als nächstes?
^esther

 

Nachtrag von mir, Roland: “Es cha nie gnueg Bilder ha…!”

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Wandern…

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Pilze und noch mehr Pilze  🙂

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Mol “gschnell” uf Bella Coola

Eigentlich müsstet ihr jetzt alle zuerst einmal eine Landkarte zur Hand nehmen und nachschauen, wo dieses Bella Coola liegt…. Dann versteht ihr vielleicht auch, warum wir uns an diesem Wochenende mehr wie einmal an den Kopf gelangt haben und uns fragten, was wir hier genau machen…
Hin und zurück sind es nämlich 1150km und eine solche Strecke an einem einzigen Wochenende zu fahren, das ist auch für uns (Möchtegernkanadier) nicht normal. Es hat uns halt einfach wahnsinnig gereizt dieses Bella Coola. Weil wir schon so viel davon gehört haben. Weil es am Meer liegt. Weil es dort unglaublich viele schöne, alte Zedern haben soll (die, die die Loghausbauer als Mittelpfosten für Wendeltreppen in unsäglich teuren Häusern einbauen). Weil ins Tal nach Bella Coola hinunter die krasseste Strasse führt, die Kanada je gesehen hat (man spricht nur hinter vorgehaltener Hand darüber und nennt sie mit ehrfürchtigem Unterton “The Hill”). 2014-08-23_0204-1024Da mussten wir doch hin! Eben. Und weil auch unsere Freizeit eingeschränkt ist, musste ein Wochenende reichen.

Wie so oft im Leben haben wir an diesem Wochenende sehr viele Sachen erlebt, und das liegt nicht primär an der unglaublichen Distanz, die wir zurückgelegt haben.

Als erstes mussten wir nämlich den Zahnarzt von Bella Coola retten. Martin (der Zahnarzt) wollte mit seiner Frau Tati und Tochter Nora eigentlich nach Vancouver fahren, um neue Kajaks zu kaufen. Nur leider wollte ihr Auto nicht nach Vancouver und blieb auf halber Strecke stehen. Zufälligerweise genau dort, wo wir unsere erste Pause einlegten. Bekanntschaft war schnell gemacht, Platz in unserem Auto ebenso, und weiter ging die Fahrt zu 5 für die Lehr’s nach Hause, für uns in eine neue Welt. Wie sich bald herausstellte teilten wir nicht nur das gemeinsame Reiseziel, sondern auch die Leidenschaft für Wanderungen zu Orten mit schöner Aussicht. Familie Lehr hatte jede Menge Tipps zu den Bergen rund um Bella Coola für uns, wo wir a) keinen Achsenbruch an unserem Auto riskierten, b) nicht im Busch verloren gehen können und c) innert nützlicher Frist die schönsten Alpwiesen erreichen. Wir hatten mehr als genug Zeit, um diese Wanderleidenschaft durchzudiskutieren, dauerte die Fahrt nach Bella Coola doch immer noch gute 350km.2014-08-22_0003-1024

Entsprechend müde kamen wir in Bella Coola an. Dort kamen wir in den Genuss einer privaten Führung durch das Örtchen, inklusive Hafenbesichtigung. Wäre Roland etwas seetauglicher, so wären die Lehr’s sofort mit uns aufs Meer hinausgefahren, so blieb es bei einem Rundgang mit anschliessender Einladung zu Kaffee und Kuchen auf ihrer Terrasse (herrlicher, köstlicher, warmer Schokolade-Lava-Kuchen, selbstgebacken von Tochter Nora). Ich gebe zu, wir waren mehr als neidisch auf den Garten von Familie Lehr, im milden Klima von Bella Coola wächst einfach alles, alles, alles. Und zwar gross und üppig. So üppig, dass sie schon gar nicht mehr wissen wo hin mit all den getrockneten Apfelschnitzen. Wir opferten uns natürlich herzlich gern, und durften ein paar davon mitnehmen. DANKE!!!

2014-08-23_0022-1024Oh, was waren wir froh um diese Apfelschnitzli, der nächste Tag hatte es nämlich mehr als in sich. Martin hatte uns die Wanderung zum Mosquito-Pass empfohlen. Der Beschrieb war perfekt, wir fanden den Einstieg auf Anhieb (was hier nicht selbstverständlich ist, wie wir euch auch schon vorgejammert haben). Leider hatte Martin auch nicht untertrieben, was die Steilheit des Hangs anbelangte… Ich schätze irgendwas zwischen 50 – 60°.

2014-08-23_0032-1024 Wir stiegen und stiegen und stiegen, immer den farbigen Bändern an den Bäumen nach (angebracht von früheren Wanderern oder Jägern). Der Weg führte so ziemlich schnurgerade nach oben. Zick-Zack-Wege sind leider etwas unglaublich Schweizerisches…
1 Stunde, 2 Stunden, 3 Stunden. Irgendwann kamen wir aus dem Wald, doch flacher wurde es deswegen noch lange nicht.

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Als wir nicht mehr höher steigen konnten, waren wir auf dem Gipfel. Wahnsinn. Und schön! Die Coast Mountains sind ähnlich wie die Alpen im Wallis. Granit, zackige Felsspitzen, steile Hänge, nur starten sie bereits auf Meereshöhe und führen trotzdem bis auf 2000 Meter und höher.
Leider war es an diesem Tag ziemlich dunstig, sonst hätten wir wahrscheinlich noch viel mehr Bergspitzen sehen können, aber auch so war das Panorama atemberaubend. Und was machen wir, wenn es uns an einem Ort besonders gut gefällt? Genau, wir essen etwas.

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YES WE DID IT 🙂

 

 

 

 

So. Und jetzt alles wieder abe. Läck hatten wir den Knüü-Schlotteri nach dieser Wanderung! Ich glaube, ich bin fast 3 Tage danach noch herumgestakelt, als hätte ich keine Kniegelenke mehr…. Aber das war es wert!

 

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Wir beschlossen den nächsten Tag etwas gemütlicher anzugehen, schliesslich mussten wir ja auch noch die 550 Kilometer bis nach 100 Mile House zurück fahren. So gingen vor uns vor der Abfahrt nur “kurz” die Füsse vertreten. 3 Stunden. Es ging zum Glück fast geradeaus, durch einen Wald der vor einigen Jahren abgebrannt war. Richtung Rainbow Ranges. War auch sehr eindrücklich. Vor allem bietete der kleine namenlose See die perfekte Kulisse für unser Zmittag.

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Ich weiss nicht, ob ich es noch erwähnen muss, aber was waren wir K.O. nach diesem Wochenende! Eins haben wir uns für die Zukunft gemerkt: das nächste mal schauen wir auf die Karte, bevor wir losfahren. Und sollten wir wieder nach Bella Coola gehen (was wir unbedingt vorhaben), dann rechnen wir mindestens eine zusätzliche Nacht ein. Und ein Stück von Nora’s Lava-Kuchen 🙂 Definitiv.

^esther

 

Ps: Das Wochenende war also auch für unser Auto ziemlich streng, es musste nämlich zwischendurch ein bisschen Offroader sein. Aber nur bitzli.

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PPS: Und hier noch ein paar Bilder für den grossen Bildschirm: 2014-08-23_0101-2014-08-23_0109b_1024

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Der Adler ist gelandet oder so!

Holz spalten vor dem Morgenessen, skypen mit der Familie und einen Baumstamm aufschneiden für einen experimentellen Tisch. Nach diesem morgen habe ich mir mein Mittagessen verdient. Als ich danach mit der Kaffeetasse in der Hand auf dem Sofa relaxte passierte es. Es knallte irgendwas vor unserem Fenster auf unser Deck, …PENG… “The Eagle Has Landed”

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Ich bin nicht sicher, weil ich kein Ornithologe bin, aber ich denke es ist ein recht junger Adler. Es hat den Eindruck gemacht, dass er noch nicht so viel Erfahrung hat im Fliegen.

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Er ist mehr gelaufen als geflogen.

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Der Vogel hat uns den ganzen Nachmittag nicht verlassen. Beim Abendessen kochen musste ich ihn manchmal ein bisschen davon schäuchen, als er in die Tomatenpflanzen von Esther kletterte, habe ich ihm nur gesagt “jetzt hast du aber Glück, dass Esther nicht hier ist! sonst würde es *** geben”

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Man soll ja keine Wildtiere füttern, deswegen ist mir der Apfel auch per Zufall aus der Hand gefallen.

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Das ganze habe ich noch in einem kurzen Film festgehalten, also ab in die Vorstellung und geniesst den kleinen Tier Dokumentar-Film 🙂

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Unglaubliche Momente, Roland

 

Schall und Rauch

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“Wo isch au de Wald hiicho… Näbel hesch en du eus gnoo…..”
Kennt jemand von euch noch das alte Lied zum Herbst aus der Primarschule? Diese Zeile fällt mir gerade ein, wenn ich heute Morgen aus unserem Fenster schaue. Nein, der Sommer ist noch nicht vorbei, dieser Dunst ist auch kein Nebel, der unseren Wald verschluckt, sondern Rauch. Jepp, es ist Waldbrand-Saison. Smoke on the water!
Entsprechend riecht es derzeit auch vor unserer Türe. Eigentlich sollten wir sofort mit unseren Räucher-Experimenten starten, wenn wir schon einen Gratis Räucherofen zur Verfügung haben…

Woher der Rauch kommt, lässt sich schwer sagen. Rund um uns herum sind mehrere Waldbrände im Gang (keine Angst, sie sind alle sehr weit weg), der Rauch von diesen Bränden kann vom Wind über tausende von Kilometern verteilt werden. Das näheste Feuer ist knapp 130km nördlich von uns, Soda Creek. Der Wind kam bislang allerdings eher aus dem Süden. In der Lokalpresse habe ich heute gelesen, dass es deshalb Rauch von grossen Bränden in den USA sein könnte (!). Fakt ist allerdings, dass wir derzeit von Wildbränden umzingelt sind, also auch wenn der Wind dreht (was er heute tatsächlich getan hat, er bläst jetzt aus West-Nord-West), irgendwoher kommt immer Rauch (konsequenterweise behaupte ich als Vollzeit-Besserwisserin, dass der aktuelle Rauch vor unserem Fenster vom grossen Feuer in der Nähe von Quesnel stammt).
Wer genau wissen will was wo brennt, BC Wildfires hat eine sehr gute Übersicht:

Wildfire

 

 

 

 

Trotz allem können uns auf unserer äusserst flachen Lichtung nicht beklagen. Die Ebene verhindert, dass sich der Rauch ansammeln könnte. In 100 Mile House vorne ist es zum Beispiel viel schlimmer, der Ort liegt nämlich in einem Kessel. Viele beklagen sich offenbar bereits über beissende Augen und Halsschmerzen (behauptet zumindest die Lokalpresse, ich mach jetzt mal keinen Feldversuch).

Dass es im Sommer brennt, ist hier normal. Nachvollziehbar bei so viel Nadelwald. Und mittlerweile glaubt ihr uns ja hoffentlich alle, dass es im Sommer auch in Kanada sehr heiss und trocken werden kann (sic!). Da genügt ein kleiner Funke und wham! Feuer lodert.
In diesem Jahr ist es speziell heiss und trocken (wir hatten letzte Woche Allzeit-Rekordtemperaturen von über 34°C, normal sind im Juli 24°C). So ist es auch nicht weiter erstaunlich, dass ab sofort ein komplettes Feuerverbot in der ganzen Provinz gilt und zwar bis zum 30. September. Somit wurde aber leider auch unsere Grill-Feuerstelle vorzeitig in die Sommerpause geschickt… Und komplett ist hier wirklich komplett. Verboten ist ab sofort jedes offene Campingfeuer, jede Kerze, Himmels-Laterne, Feuerwerk, Fässer zum Papier verbrennen, Cheminée, allesallesalles. Gilt auch nicht nur auf öffentlichem Grund oder im Wald sondern auch in jedem privaten Hinterhof, Garten etc. Eine Ausnahme gibt es: erlaubt sind kleine Gasbrenner, schliesslich müssen all die Campingtouristen ja auch was essen. Aber diesen Sommer ist nix mehr mit Cervelat am Stecken dunkelschwarz bräteln… Jä nu, gibt’s halt Wurstsalat.

In Sachen Wildfeuer produzieren die Kanadier auch viel Schall, denn da kennen sie absolut kein Pardon. Das Feuerverbot wird streng überwacht und zwar per Flugzeug. Wirst du erwischt, wird es teuer!!
345 Dollar Busse gibt’s sofort, landest du vor Gericht kostet es bis zu 100’000 Dollar und möglicherweise musst du sogar für ein Jahr ins Gefängnis. Hast du einen Waldbrand ausgelöst, so gibt’s nochmals 10’000 Dollar Busse und du musst zudem die ganzen Löscharbeiten berappen. (Jaja, keine Kuschelpolitik!)

UnbenanntDie ganze Waldbrandgeschichte hat aber auch lustige Seiten. Zum Beispiel haben wir ein hübsches, neues Symbol im Wetterbericht entdeckt, es bedeutet “widespread smoke” – viel Rauch:

 

 

Und das allerschönste: Rauch in der Luft sorgt für sagenhafte Sonnenuntergänge…

^esther

 

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Vom sterbenden Schwan zur Thron-Königin

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Es ist soweit, Besuch aus der Schweiz! Premiere auf unserer neuen Matratze (sie sei sehr bequem, heisst es). Eingeschlafen wurde sie von unserer heissgeliebten Sändra aus S. In der Schweiz hat sie grad frisch gezügelt, sie kennt unsere Küche jetzt besser als ihre eigene.

Aber von Anfang an. Angekommen ohne Gepäck (schiss British Airways) hat Sändra die lange Reise nach 100 Mile House soweit gut überstanden. Wir sagen soweit, weil ganz gut wäre gewesen, wenn sie die Bazillen im Flugzeug oder zumindest im Greyhound zurückgelassen hätte. Hat sie aber nicht, und so verbrachte sie die ersten 4 Tage wie Dornröschen im Dauerschlaf. Da das Fieber leider nicht von alleine sinken wollte, musste Hilfe her. Ein Prinz war dummerweise nicht in Sicht, aber eine nette Frau Doktor. Es gab dann halt auch keinen Kuss, sondern ein Pillendösli, dafür eins mit persönlicher Anschrift. Hey, so ein Souvenir hat nicht jeder!
Uns allen war es aber viel lieber, als Sändras Gesicht (Penicillin sei dank!) langsam von käsig weiss, auf blass rosa wechselte, und der Dauerschlaf von einigen Wachphasen unterbrochen wurde. Richtig glücklich waren wir, als wir Dornröschen endlich von ihrer neuen Lieblingsmatratze weg in die Natur hinaus locken konnten. Zum Aufwärmen gab es gleich eine kleine Turnübung mit dem Slow-Schild. Schien zu helfen, ein erstes Lächeln war zu sehen, das Gesicht wurde wieder rosig.

Kaum genesen hiess es darum “Hopp! Hund fassen! Jetzt geht’s ab in den Wald.”
Als erstes führten wir sie zur Trapperhütte, Sändra’s zu Hause für die nächsten paar Tage. Nicht sehr luxuriös aber sehr schön gelegen.

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Dort angekommen wurden zuerst ein paar köstliche Spezialitäten von good, old Switzerland ausprobiert. Mmmhhhh (Wir verschweigen jetzt, dass das Pack bereits abgelaufen war… zu Tode gespart quasi von unserem Sugar-Sheriff).

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Und wie es sich für so eine Hütte gehört, meldete sich bald auch die ” Hexe”.
Oder ist es Hänsel? Knochenfingertest zeigt: mehr Futter muss her!

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Also ab ins Shopping-Paradies 100 Mile House. Dort musste sich Sändra mit genügend Vorräten für ihr Hüttenabenteuer eindecken. Das erste Ziel hiess: Save-On-Foods.

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Ihr merkt es schon, wir waren sehr beschäftigt. Nichts mit easy, “Schoggi”-Ferien! (Wobei…. Schoggi wurde sehr viel gegessen, wie ihr vielleicht auch schon erkannt habt. Vor allem Crémant. Im Frey Röll sini Crémant isch eifach “S beschte wos je hets gits”!!)

 

 

 

 

 

Wie wir schon in der Zivilisation waren, gehörte als zweites ein kurzer Abstecher in ein hochstehendes kanadisches Traditionslokal dazu. Et voilà. Bitte die grosse 20er Packung. (Strawberry ist nicht lecker, wir empfehlen einstimmig “Birthday-Cake”).

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Gesund gestärkt konnte unsere gute Sändra endlich richtig in ihr Outdoor-Abenteuer starten. Und Stärke war dringend nötig, denn auf den Hüttentest folgte sogleich der Campingtest. Wir bestätigen mit Freude Sändra’s Campingtauglichkeit ist 1A, inklusive Plumpsklo. Bei so viel Talent konnten wir das Niveau sofort steigern und weitermachen mit Bergsteigen. Auch hier, Tauglichkeit hervorragend. Sändra hat sich nichts von ihrer erst gerade überstandenen Bazillen-Schläfrigkeit anmerken lassen auch wenn sie ab und zu heimlich geflucht hat. Wir haben es natürlich schon gehört, aber grosszügig ignoriert und mit Schoggi und grillierten Marshmallows wieder gut gemacht. A propos Marshmallows: nicht alle Kanadier mögen grillierte Marshmallows. Offenbar. Auch nicht, wenn sie ganz alleine am zelten sind neben uns. Offenbar. Und Frank heissen. Offenbar. Wir sind jetzt noch beleidigt. Imfall. (@Frank: Yes, we are!!) Will de doch lieber go schlofe….
Unbedingt erwähnen möchten wir an dieser Stelle noch die zwei Bebbi-Chlöpfer, die Sändra mit viel Angstschweiss über die Grenze gebracht hat. MERCI!!! Sie schmeckten am besten leicht angekokelt (stimmt nicht, ich will keinen Kohlensack!).

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Die Stimmung unserer Ex-Kranken wurde von Tag zu Tag besser. Der Muskelkater löste die Halsschmerzen ab, die Siege beim “Jokern” entschädigten für die Wanderanstrengungen, die sie die nächsten Tage erwarteten. Sändra war nämlich bald bereit für die Prüfung aller Prüfungen des richtigen Buser-Kanada-Abenteurs: Der Trophy Mountain. 2h hoch, 1h runter zum wilden Campingplatz (mümmir würklich dört abe und wieder ufe????) Ja, müssen wir und vor allem wieder 2h den Berg runter zum Auto. Das Ganze bei praller Sonne und 30 Grad. Sonnenbrand? Natürlich. Die Sonnencrème nützt ja auch nichts mehr, wenn man sie im 10-Minuten-Takt mit Mückenmittel überschmiert…. Aber man muss sich hier halt für ein Übel entscheiden. (Schiss-Mügg!)

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Bevor wir nun zu Sändra’s letzten Abenteuern kommen, müssen wir eine weitere Klammerbemerkung anfügen, sie hat sich nämlich noch zur Ko-Autorin der überarbeiteten Ausgabe dieses Buchs gemeldet. Bravo Sändra! Jeder fängt mit einem Haufen an.

Weiter im Text. Wo waren wir? Ah ja, beim Abstieg vom Trophy Mountain. Beim Auto angekommen, mussten wir laut lachen, hat uns (Frank?) doch tatsächlich eine kleine Botschaft hinterlassen:

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Leider war es bereits Zeit, um das Zelt abzubrechen und wieder zurück zur Basis zu fahren. Fitbit-Abrechnung unseres Camping-Trips im Wells Gray Park: 15.15km + 12.82km + 18.26km = Halleluja!! Nach so viel Anstrengung hat sich Sändra eine Auszeit wohl verdient. Es folgte ein Tag mit Gartenpflege, Gemüse einkochen, Halbfinal gucken und nur 1h laufen. Also fast nichts.

Hätte Sändra gewusst, dass der Weg zum Helena Lake noch einmal mehr als 15km zu Buche schreiben wird, wäre sie heute wahrscheinlich auch zu Hause geblieben. Immerhin hat sie diesmal Ziehhilfe erhalten von Schlittenhund Xena und darum nur halb so viel gejammert. Ok, vielleicht lag das Jammern auch eher daran, dass Esther nicht mehr ganz sicher war wo der Weg durch ging, und Sändra bereits fürchtete für immer und ewig im Busch verschollen zu bleiben und als Znacht der Bären zu enden.
So weit kam es zum Glück nicht, der Weg war richtig, und Roland wartete wie abgemacht mit dem Zmittag am See.

So. Was fehlt noch? Ah ja – der Coupe Dänemark mit der letzten Tafel von Rölls heiliger Crémant. Den machen wir nämlich jetzt. Und sagen drum: AdéMessi.

^sändra, roland, esther
Ps: Die wahre Geschichte kann Sändra viel besser selber erzählen.
Am Sonntag um 17:15 Uhr landet sie in Basel 🙂

WE MISS YOU jetzt scho…

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