Category Archives: Canada

Ein grosses Land, in dem es viiiiiel zu entdecken gibt. Anekdötchen drunter und drüber.

Elch = Wildtier. Nicht knutschen!

Eine weitere Geschichte aus der Kategorie: Wildtiere und wir.
Diesmal starte ich mit einem Zitat von mir selber: “Auf diesem Sofa wird morgens um 06:30 das erste Kaffee getrunken und gewartet, bis vor dem Fenster der Tag erwacht. Ich bin sicher, irgendwann läuft genau dann ein Elch vorbei. Irgendwann. Ganz sicher!”
So. Ich habe aber nicht geschrieben: UND GEHT NICHT MEHR WEG.

2014-01-25_Moose_1024

Folgendermassen.
Man stellt sich Wildtiere im eigenen Garten ja immer sehr romantisch vor (siehe auch: Noldi, der Hengst, bzw. Noldine, die trächtige Stute… wir sind uns also immer noch überhaupt nicht sicher!) Wildpferde, oder eben so ein Elch, der vorbeiläuft, einem nett zuzwinkert, sein Kalb, das auf den überlangen Stelzenbeinen lustig und etwas tapsig hinterherhüpft. Jöööööö!! Nun, in der Realität ist ein Elch im Garten aber gar nicht süss, sondern im Gegenteil: recht bedrohlich.
Ein paar Fakten:
– Ein erwachsener Elch (kanadisch: Moose, kommt vom Algonquin-Wort mooswa “Zweig-esser”) kann bis 3 Meter lang werden, die Schulterhöhe ist über 2 Meter
– wiegt zwischen 550 kg und 700 kg
– kann schneller als 50 km/h rennen
– easy 16km schwimmen und über 5m tief tauchen (!!!)
– mag es GAR nicht, wenn man ihn beim Fressen stört

Nun hat natürlich genau so eine riesige Elchkuh mit ihrem Kalb beschlossen, dass die zartesten Zweiglein genau zwischen unserem Häuschen und dem Haupthaus von Jane und Rainer wachsen. Läck bin ich verschrocke!!! Gehe ich mit dem Hund frühmorgens aus dem Haus, um (wie immer) die Hühner zu füttern, nehme (wie immer) den Weg dem See entlang, und blicke plötzlich einem gigantischen Tier in die Augen (nicht wie immer!).
Glücklicherweise hatte ich einen Hund dabei, wahrscheinlich auch genug Lärm gemacht, oder die Elchmama hat sich aus irgendeinem anderen Grund nicht von mir bedroht gefühlt… auf jeden Fall hat sie mich nicht angegriffen, sondern hat gemütlichst noch ein paar Zweige gekaut und ist dann davongezottelt. Glück gehabt! Ich notierte es innerlich sofort auf der Liste “Das werde ich meinen Enkeln erzählen!”
Was ich an diesem Morgen aber noch nicht begriffen hatte: die Elchmama und ihr Kalb haben sich nicht etwa ausnahmsweise zu uns verirrt, sondern die sind ganz offensichtlich da eingezogen! Am nächsten Morgen habe ich sie nämlich schon wieder überrascht. Mann!

Und jetzt kommts noch dicker: Gestern waren wir mal wieder im Ort vorne, in 100 Mile House. Als wir heimkamen, war es bereits dunkel (ca 18 Uhr). Ich musste noch schnell bei Rainer im Haupthaus vorbei, ein paar Sachen vorbeibringen, also hat mich Roland mit dem Auto direkt hingefahren, und ich wollte später die paar hundert Meter im Dunkeln heimlaufen (schon tausend Mal gemacht, und Schnee sei dank, sieht man auch ohne Taschenlampe genug). So zumindest war der Plan. Aber wie ich da mit Rainer noch ein bisschen redete, klingelt plötzlich mein Telefon. Das an und für sich ist schon eine Sensation, ruft mich doch nie jemand auf meine kanadische Nummer an! Erst recht nicht am Samstag Abend. Gucke ich auf das Display und sehe: Roland. ???Was isch denn los??? De ELCH!!!
Diesmal hat sich die Elchmama und ihr Kalb nicht die Büsche ZWISCHEN den beiden Häusern ausgesucht, sondern die Sträucher DIREKT vor unserer Haustür. Heieiei. Mein besorgter Ehemann wollte natürlich verhindern, dass ich mich, nichtsahnend, plötzlich Auge in Auge mit dem Elch wieder finde.
Und was macht man im kanadischen Busch in dieser Situation? Genau. Rein ins Auto – 300 Meter zum Haupthaus hinüberfahren – Esther einladen – und wieder heim.
Den Elch haben wir in der Nacht nicht mehr getroffen. Vermutlich hat er sich hinter einem Schneehaufen versteckt. Weit weg ist er auf jeden Fall nicht gelaufen, denn heute frisst er gemütlich beim Bienenhäuschen…

Ab jetzt heisst es also, in grossem Bogen aussenrum laufen. Mit genug Abstand passiert nichts, denn Elche können zwar viel, aber zum Glück nur ganz schlecht sehen.
^esther

PS. Falls ihr euch noch an die Geschichte “Bein ohne Elch” erinnert: Wir hatten ja vermutet, dass Kojoten letzte Woche das Elchkalb gerissen haben. Als ich nun heute Morgen die Elchkuh und ihr Kalb überraschte, bin ich zwar erschrocken, gleichzeitig ist mir aber auch ein Stein vom Herzen gefallen. Das Kalb lebt! Das heisst aber, dass wohl ein anderer Elch dran glauben musste…

360 Grad

Ein Hoch auf die moderne Technik!!

Dank neuem Fotoapparat (merci vielmal für das tolle Geschenk!!!!) können wir euch unser
zu Hause nun per Rundumblick zeigen.
So seid ihr schon fast mittendrin….

… wenn wir am Morgen auf unserem Bänklein den Sonnenaufgang erwarten2014-01-25_138-2014-01-25_142_300

… wenn wir mit den Langlaufskiern nach Hause kommen
2014-01-23_360Grad-vor-dem-Haus_300

… wenn wir Bananenkuchen backen
2014-01-26_360Grad-Wohnung_300

… oder beim Abwaschen aus unserem Küchenfenster gucken.
2014-01-25_130-2014-01-25_132_300

(Für die mit den ganz guten Augen: auf diesem Bild versteckt sich Noldi, “unser” Wildpferd. Ihr kennt ihn (sie?) jetzt ja auch)

… oder wenn wir mit den Schneeschuhen um unseren Haussee Enterprise-Lake herum stapfen.
2014-02-04_Enterprise-Lake_400

Noldi, der Hengst

Darf ich vorstellen: das ist Noldi.

2014-01-24_106-1600_Wild-Horse

Wir haben ihn das erste Mal auf einem Feld, ca 2 Kilometer weg von unserem Haus getroffen. Plötzlich, wie wir durch den Wald gelaufen sind, stand er da. Gross, mächtig, erstaunlich pelzig für ein Pferd, und überhaupt nicht erfreut, uns zu treffen.
“Grrrrrrrrr” knarrte er mit den Zähnen. Aber irgendwie machte er auch keine Anstalten wegzulaufen.
Wir liessen ihn in Ruhe und zottelten weiter.
Zwei Tage später waren wir wieder auf diesem Feld, und siehe da: Noldi war immer noch da. Ein bisschen weiter hinten, aber ganz offensichtlich lässt er sich von uns nicht stören.
Ich sage euch, der hat ziemlich herumgegraben, da wo wir ihn das erste Mal gesehen haben. Die Schneedecke bis zum Gras weggetreten, unter den Bäumen richtige Löcher, es scheint, als frässe er am liebsten die feinen Gräser zwischen den Wurzeln der Tannen. Noldi, Noldi! Macht dich das frische Gras so feiss?

Zwei Tage später. Beim Abwaschen. Roland guckt aus dem Fenster, und siehe da! Noldi. Vor unserem Haus. Vielleicht 300m entfernt nur. Steht gemütlich am Waldrand und kaut irgendwelche Gräser. Seither treffen wir ihn praktisch täglich. Einmal sehen wir ihn von etwas weiter weg, das andere mal ziemlich nahe, ich glaube bald, er fühlt sich sogar richtig wohl in unserer Nähe.
Wir witzeln ja gerne, wie wir ihn zähmen könnten. Zum Beispiel mit Essen ködern. Ihm mal einen Apfel hinlegen. Oder ein Rüebli. Ihn etwas zeuklen mit Zückerli. Oder den Wald einzuzäunen, wo er drin steht. Machen wir aber natürlich nicht. Nur anschauen. Nicht anfassen!
Wobei, rein theoretisch dürften wir ihn einfangen und behalten. Wildpferde gelten in Kanada nicht als Wildtiere, sondern als Nutztiere. Haben also sozusagen keinen richtigen Status. So ähnlich wie wir.
Vielleicht verstehen wir uns ja deshalb so gut mit Noldi. Und genau darum lassen wir ihn auch so, wie er ist: Wild und frei.
^esther

PS: Liebe Pferdenärrinnen und -narren. Da wir beide keine Ahnung haben von Pferden… schaut euch die Bilder doch einmal ganz genau an. Hat irgendjemand eine Ahnung von Rasse? Alter? Noldi oder Noldine…?

2014-01-24_227-1600_Wild-Horse 2014-01-24_224-1600_Wild-Horse 2014-01-24_162-1600_Wild-Horse

 

 

 

2014-01-16_160-1600-Wild-Horse  2014-01-21_048-1600-Wild-Horse2014-01-16_169-1600-Wild-Horse

 

 

 

2014-01-28_020-1024

 

2014-01-28_014-1024

Noch 10 Tage bis Sochi!

langlauf

Wenn es irgendwie geht, möchten wir in Kanada in den nächsten Monaten etwas Fuss fassen. Dazu gehört natürlich als allererstes: eine Arbeitserlaubnis ergattern. Das ist gar nicht so einfach, denn in Sachen bürokratischem Wahnsinn sind die Kanadier uns Schweizer LÄNGEN voraus. Und so ganz durchschaut habe ich das System noch nicht. Hauptsache kompliziert und hauptsache für alles Formulare ausfüllen. Zum Glück gehört Formulare-ausfüllen zu meinen heimlichen Hobbys….
Aktuell befinden wir uns gerade in einem geschlossenen Kreis. Ich nenne ihn den kanadischen Loop. Um eine Arbeitserlaubnis beantragen zu können, brauche ich ein Jobangebot. Um aber ein Jobangebot zu erhalten, brauche ich zuerst eine Arbeitserlaubnis. LoopLoopLoop.
Ich möchte im Ort als Französischlehrerin arbeiten. Und eigentlich brauchen sie hier dringend französischsprachiges Personal. Aber eben… Arbeitserlaubnis… Und damit es mal ein bisschen vorwärts geht, habe ich nun einen 4-Punkteplan erarbeitet:

1. auf sämtliche Stellen als Französischlehrerin bewerben. Entweder wollen sie mich wegen meiner Qualifikationen, oder sie regen sich irgendwann dermassen ab mir auf, dass sie mir deswegen einen Job anbieten
2. Lobbying. Angefangen auf dem Friseurstuhl bei Collette, der Coiffeuse aus Québec, die Zweitberuflich als Assistenzlehrerin an der örtlichen Primarschule arbeitet. (Jaja, 2 Fliegen, eine Klatsche. Sehr praktisch! Und den Stadt-Gossip gibts erst noch gratis dazu.)
3. Volunteeren, Freiwilligenarbeit. Ich werde bald Lese-Freundin eines Primarschülers im Ort sein, und ihm/ihr dabei helfen, ein paar Geschichtchen auf Französisch zu lesen. (B-booooo-booooooon-bonjjjjjjj-bonjour. Bravo! Sehr gut!!!)
4. Langlaufprofi werden.

Was denn?! Man braucht immer einen Plan B. Bis Sochi wird es vielleicht etwas knapp, wobei es sind immerhin noch knapp 2 Wochen. Und da mich Punkt 1 – 3 noch nicht voll auslasten, habe ich genug Zeit, mich intensivst mit Punkt 4 auseinanderzusetzen.

2014-01-20_063-1600Olympische Winterspiele und Kanada, das hat für mich schon fast Tradition. Wer es nicht weiss, ich hatte meinen ersten Kontakt mit diesem Land während der olympischen Winterspiele 2010 in Vancouver/Whistler. Damals war ich zwar als Reporterin unterwegs, aber warum nicht mal einen Seitenwechsel wagen! Ich finde, es sind zumindest gute Voraussetzungen. Eine Ausrüstung habe ich auch, Baujahr 1989, läuft wie geschmiert, die hat mir netterweise Jane zur Verfügung gestellt. Sie weilt ja derzeit in Mexiko, und am Strand braucht sie ihre Latten wohl eher weniger. (Thank you Jane! I dedicate my first victory to you!) Ab jetzt tägliches Training, et voilà.

Ich brauche in meinem Team aber noch irgendjemanden, der mir ein paar technische Tipps geben kann. Es fehlt nicht mehr viel! In Sachen Eleganz bin ich schon ziemlich weit, aber irgendwie kriege ich meine Ideallinie noch nicht so ganz hin (klassischer Stil). Meine Spur wird einfach nicht so gerade, wie die im Fernsehen…

Liegt vielleicht aber auch daran, dass die Trainingsbedingungen hier etwas speziell sind.
Wir haben sicher die besten Maschinen, um Hunde-Schlitten-Trails zu präparieren. Die
Langlaufloipen sind hier dafür eher… naja… wie heisst dieser Sport auf Englisch? CrossCountry. Quer-durchs-Feld.
^esther
2014-01-20_084-1024

Mal was für Augen UND Ohren

Liebe Leute, haltet euch fest. Jetzt kommt etwas, das müsst ihr unbedingt auf einem anständigen Bildschirm angucken. Kein iPad, kein kleiner verpixelter Komputerbildschirm, das braucht mindestens 50cm Diagonale. Und HD. Am idealsten also euer Fernseher.
Das heisst: schnappt euch euren Kompi, holt eure HDMI-Kabel, eure Video-Verbindungen,
euren AppleTV, euren wasweissich, hängt euren Komputer irgendwie an die grosse Röhre und dann, dreht ihr die Lautsprecher richtig auf. Voll-ume, wie man so schön sagt.
Wer hat, soll ruhig die Dolbysurroundanlage dazuschalten. (Falls jetzt Mitternacht ist bei euch, vielleicht besser nicht zu doll aufdrehen, sonst steht euer Nachbar bald im Bett….)
Gut? Ok. Nun nehmt ihr euch ein Kaffee, Tee, Bier, Mineral, irgendwas sprudliges, erlaubt ist auch eine Tüte Popcorn und setzt euch damit auf euer Sofa. In die Lieblingskuhle, die, die so herrlich bequem ist.

Ready?

Gut. Dann bitte jetzt   >  H I E R <    klicken.

Enjoy!!

Hund-Fernbedienung

Chuuuuuumm Bibibibibi, chuuuuuuuumm

2014-01-19_020-1600_Huehner

I’m a chicken-mum, and I am very proud of my flock.
Schon alleine dieses Wort “flock”. Süss, oder?

Ich hatte vor Kanada noch nie so richtig mit Hühnern zu tun gehabt. Bislang waren mir die Tiere eher suspekt gewesen, wie sie ihren Kopf schräg legen und einen so seitlich angucken (misstrauisch, fand ich), die zackigen Bewegungen, der spitze Schnabel, ga-gack? verstand ich nicht.

2014-01-19_048-1600_Huehner 2014-01-19_030-1600_Huehner 2014-01-19_054-1600_Huehner 2014-01-19_035-1600_Huehner

Nun kümmere ich mich seit gut 3 Wochen um die Hühner hier auf Snosibe (so heisst diese wunderbare Ranch, auf der wir hier wohnen dürfen), und ich muss sagen, ich hab meine Meinung komplett geändert. Hühner sind grossartig! Weiss ich jetzt. Zumindest die 6, die mir anvertraut wurden. (Am Anfang waren es 7… der Hahn “Hinky Bein” hatte wohl zu grosse Sehnsucht nach Jane, seiner Meisterin. Nachdem sie nach Mexiko verreist war, hat er sich immer mehr zurückgezogen, bis… ja leider, er hat es nicht geschafft. Armer “Hinky Bein”!) Die 6 anderen sind aber putzmunter und gackern fröhlich vor sich her.

Zwei, drei Mal am Tag gehe ich auf einen Schwatz vorbei. Ga-gack? Guten Morgen! Ga-gack? Jaja, hier kriegt ihr eure Körner. Ga-gack? Kalt heute, wirklich! Bleibt besser im Stall unter der warmen Lampe. Ga-gack? Genau, frisches Wasser. Kommt sofort.

2014-01-19_015-1600_Huehner
Und als Dank dafür kriegen wir täglich 3 – 5 frische Eier. Von 6 Hühnern. Finde ich sehr flott!
Dass ich dafür sorge, dass die Hühner einen sauberen Stall haben, sich wohl fühlen, immer genug zu essen und zu trinken haben, ist ja wohl selbstverständlich.

A propos Essen: Hühner sind hervorragende Restevertilger. Rüstabfälle von Gemüse, altes Brot, Äpfel, das lieben sie alles heiss. Und weil ich den Hühnern auch etwas bieten will, probiere ich immer mal wieder Neues aus. Gebe ihnen Pilze (mögen sie ein bisschen), Randen (mögen sie sehr!), Kohl (mögen sie gar nicht). Bei Gemüse bin ich schon ziemlich mutig, das lege ich meist einfach mal ins Gehege, und sehe, ob sie es fressen. Bei Früchten bin ich etwas zurück-haltender, ich will ja nicht, dass sie eine Magenverstimmung, geschweige denn Durchfall bekommen! Und da war einmal diese Ananas…. Fressen Hühner Ananas? Guter Rat weiss meist Google. Ich tippe also ein: “Hühner” “Ananas”, suchen. Und was schlägt mir google vor? Hähnchen Curry Ananas, Hähnchen Curry mit Kokosmilch und Ananas, Brathähnchen.. Hey! Ich will die Hühner nicht kochen, ich will sie füttern!!!
^esther

(Nachtrag: Ananas lieben sie sehr! Was im Kochtopf gut zusammenpasst, scheint sich auch im Leben zu mögen.)

2014-01-28_009-1024

Heavy Gear – Kapitel 2: Handschuhe

Stopp – lest noch einmal genau den Titel. Tschegget? Kapitel 2 hat viel mit Kapitel 1 zu tun.
Genau. Schuhe. Mindestens so wichtig, wie Schuhe für die Füsse, sind hier Schuhe für die Hände. Denn ohne geht es nicht. Entweder hast du nachher Blasen an den Fingern (vom Holzspalten, Schneeschaufeln, Eispickeln,… ) oder Spriessen in den Fingern (vom Holz herumtragen) oder ganz einfach kalt (von immer), wobei sich beim Stichwort “kalt” sofort das Problem “unpraktisch” anschliesst….
Nun ist es leider so, dass ich den “Muck” der Handschuhe (Muck? Siehe Kapitel 1), das Wunderwerk, den Allrounder, das Must-have für alle Situationen, bis jetzt noch nicht gefunden habe. Dies führt zu folgendem Problem: Überschuss, bzw. Qual der Wahl.
Folgende Möglichkeiten stehen zur Verfügung (von vorne nach hinten)

Handschuhe

1. Der Praktische.
Leicht, guter Grip, sehr robust. Damit lässt sich jedes Holz anfassen, ohne dass man sich verletzen würde. Es gibt auch keine Blasen beim Pickeln, etc. also ein hervorragender Arbeitshandschuh. Leider aber weder gefüttert, noch winddicht, also für sämtliche Arbeiten draussen ziemlich ungeeignet. In der Werkstatt momentan auch nur bedingt geeignet, da die Werkstatt nicht geheizt ist, folglich die Temperaturen ebenfalls um den Gefrierpunkt. Das heisst, dieser Handschuh taugt höchstens so lange, bis sich die Fingerkuppen langsam weiss färben, was bei mir im Schnitt nach 10 Minuten der Fall ist.
Fazit: Bleibt in der Schublade bis im März.

2. Der Winddichte.
Sieht schnittig aus, hat Finger, was schon mal ein grosser Vorteil ist gegenüber allen nachfolgenden Modellen, und hat Gummi an der Handinnenfläche. Eigent sich also hervorragend um die Axt zu halten, Hundeleinen an-, bzw. abzuschnallen. Sieht allerdings deutlich wärmer aus, als er ist. Schlägt Nummer 1, zwar bereits um längen, reicht aber nicht aus. Darum gibt es die kleine Ergänzung mit dem Innenhandschuh, dies hat sich wärmetechnisch aber erst in der Theroie bestätigt, im praktischen Gebrauch konnte ich nämlich keinen Unterschied feststellen.

3. Der Ausgediente.
Alte Skihandschuhe sind sehr gut geeignet, wenn es um dreckige Dinge geht. Asche aus dem Ofen rausschaufeln zum Beispiel. Wobei beim Hühnerstall ist schon wieder Schluss, denn er ist nicht mehr wasserdicht. Dafür ist er immer noch sehr warm,  was ihn auch bei der Arbeit mit den Hunden äusserst praktisch macht. Ausser man will die Hunde fotografieren… oder anleinen…. Ich arbeite noch an der Technik, wie ich mit den Fäustlingen kleine Karabinerhäckchen in anständiger Zeit öffnen kann.

4. Der Geliehene.
Von Jane, unserer Hausherrin. Dieser Handschuh hat Jahrgang 1979? Sieht aber aus, wie neu. Und fühlt sich auch so an. Sehr flauschig, sehr angenehm, sehr warm. Nur leider sehr unpraktisch. Damit kriegt man defintiv keine Haken auf. Holz tragen will ich damit auch nicht, das feine Leder soll keinen Schaden nehmen. Einsatzgebiet? Vielleicht den ganzen Tag an der Schneebar stehen, und sich die Haare aus dem Gesicht streichen? Oder so.

5. Der Neue.
Gesponsert von meinen Ex-Arbeitsgspändli (danke vielmal!!!) Dick gepolstert, sehr schön grün, und vor allem noch viiiiiiiiiel wärme als Nummer 4. Geht bis – 30 Grad.
Genau, bringt bei den -3 Grad momentan leider herzlich wenig. Aber wenn ich das nächste Mal auf dem Hundeschlitten stehe, wird dieser Handschuh garantiert zum Einsatz kommen, denn er ist definitiv der Fotogenste!

So. Und jetzt sagt mir, welchen Handschuh ich heute Nachmittag anziehen soll, wenn ich zuerst in den Wald gehe, um ein paar Bäume zurechtzusägen, danach den Hühnerstall ausmiste, und zum Schluss vielleicht noch ein Kaffee auf unserem Bänkli vor der Hütte trinken will.
^esther

Heavy Gear

Es gibt hier draussen wenig Wichtigeres, als die richtige Ausrüstung.
Dieser möchte ich im Folgenden ein paar Einträge widmen. Fangen wir an mit dem
Kapitel 1: SCHUHE.
Come on! I’m a girl! Schuhe sind immer Kapitel 1. Nur… Diese Schuhe haben herzlich wenig mit meiner weiblichen Seite zu tun. Hier geht es um heavy gear. Darum, in Wind und Wetter, bei Schnee und Eis trocken und vor allem warm zu bleiben. Bedenkenlos im Hühnerstall herumzutreten (ups, da war was Weiches drunter…) oder im Hundekäfig (ups, schon wieder was Weiches….)
Ja, und bei solchem Schuhwerk ist auf einen Blick erkennbar: gute Schuhe hier draussen haben so etwa Null gemeinsam mit den Schuhen, die ich in meinem bisherigen (Büro-)Leben getragen habe.

Zum Vergleich: Gute Schuhe hier draussen haben….
1. keinen Absatz (dafür kriegt man automatisch den hier typischen Cowboy-Gang. Aye!)
2. Gummi. Viel Gummi! (es wird behauptet, er sei atmungsaktiv. Ich sage: seid froh, riecht dieser Blog nicht. Aber Gummi lässt sich sehr gut abwaschen.)
3. verstärkte Zehen (sehr praktisch, wenn du das Holzscheit fallen lässt. Nicht, dass das regelmässig passieren würde! Dafür hat man ja noch die passenden Handschuhe >> mehr dazu folgt in Kapitel 2)
4. einen möglichst hohen Schaft (natürlich nicht, um der schlanken Silhouette meiner Beine zu huldigen. Dieser Schaft erinnert mehr an meine Tauchausrüstung. Neopren. Aber etwa 20mm. Warm und vor allem wasserdicht)
5. eine isolierte Sohle (Ein Königreich für diese Erfindung!!! Steh mal mit gewöhnlichen Stadttretern 30 Minuten aufs blanke Eis. Dann kannst du deine Zehen einzeln abbrechen)
6. natürlich: ein gutes Profil (da werden sogar meine Wanderschuhe neidisch).

Et voilà.
Heissen tut dieses Wunderwerk von Schuh “Muck”. Vielleicht eine Anlehnung an das Märchen “der kleine Muck”, der mit seinen Zauber-Pantoffeln rasend schnell in alle Länder der Welt laufen konnte. Was er dabei an der Sohle kleben hatte, konnte ich auf Wikipedia noch nicht verifizieren…. Aber laufen kann man mit diesen Schuhen tatsächlich sehr gut. Egal, wie tief der Schnee, wie eisig der Boden, wie feucht das Gras im Frühjahr, wie tief der Sumpf, diese Schuhe sind perfekt. Und das beste: sie gehören seit heute MIR.
Ich glaube, wenn nicht so viel Hühnerdreck daran kleben würde, ich würde sogar damit schlafen.
Gute Nacht allerseits! ^esther

(Kapitel 2: Handschuhe. Folgt demnächst)

Innen und Aussen

AussenansichtIch glaube, die meistgestellte Frage der letzten paar Monate war: Du…. Wie sieht das eigentlich genau aus, bei euch, z’Kanada?
Drum, gibts jetzt eine kleine Führung.
Bitte: Tretet ein.

Arven Stuva
1) La Stüva
Hier wird morgens um 06:30 das erste Kaffee getrunken und gewartet, bis vor dem Fenster der Tag erwacht.
Ich bin sicher, irgendwann läuft genau dann ein Elch vorbei. Irgendwann. Ganz sicher!

Bitte beachtet unser nigelnagelneues Mobiliar links in der Ecke. Ordnung muss sein, auch im Busch. Zudem sollten unsere Trouvaillen des letzten Sommers anständig zur Geltung kommen. Also haben wir uns kurzerhand ein bisschen was zusammengeschustert
(aus selbstgefälltem Holz natürlich).
Was ihr dahinter nun nicht mehr seht, sind die vielen Router, Kabel, Netzwerkdingsbums mit ihren grellen, blauen LEDs. Würden das Bild des einfachen Buschlebens ja grausam verunstalten!

Herzstück der guten Stube ist – nein, nicht der Fernseher! – natürlich der Ofen. Ohne den würden wir uns wohl ziemlich einen abfrieren hier draussen….

 

Homeoffice
2) Mangia Mangia!
Teig kneten, Fleisch anbraten, Salat rüsten, Fisch filettieren, Brot backen, Tee kochen, Kaffee aufbrühen. Platz hats in unserer Küche definitiv genug. Ich glaube, in unserem Backofen könnte man problemlos ein halbes Kalb braten. Im Kühlschrank die andere Hälfte lagern. Sollten wir vielleicht einmal ausprobieren….
Und jetzt macht kochen noch viel mehr Spass, dank all der scharfen Messerli, die wir von zu Hause mitgebracht haben.

Am Tisch ist noch Platz! Setzet und labet euch.

 

3) Entourage
Genug von drinnen. Bad und Schlafzimmer ersparen wir euch, wir hatten keine Zeit aufzuräumen.
Gehen wir also nach draussen. Denn deswegen sind wir ja eigentlich hierhergekommen.
Und das da draussen, lässt sich nunmal nicht in Worten beschreiben.
Darum schweige ich jetzt.  ^esther

Von Hunden und Katzen oder: doppelte Premiere

Tag 2 im Busch. Das Programm ist dicht, schliesslich verreisen unsere Gastgeber Jane & Rainer bereits morgen nach Mexiko. Es bleibt also nur wenig Zeit, um uns mit den wichtigsten Dingen vertraut zu machen, damit wir Anfänger im winterlichen Busch durchkommen und auch alles uns Anvertraute überlebt. (Hey! Hier wirds in der Nacht gerne -20 Grad, da gefrieren auch die dicksten Eier im Hühnerstall!)
Uns anvertraut sind 8 übermütige Huskies, 6 legefreudige Hühner, ein paar Pflanzen und ein grosser, hungriger Holzofen, der ebenfalls regelmässig gefüttert werden will. Gut. Damit kommen wir klar. Bis auf ein paar Heizspiralen bei den Trinkwasserkesseln für die Tiere gibt es höchstens noch einen Unterschied: im Schnee finden sich die Hundehaufen viel leichter! 🙂

Und dann, nahm uns Rainer mit auf einen Ausflug. Unsere erste Tour mit dem Hundeschlitten. Wow! Nein wirklich: WOW!
IMG_2165-1600
Und zwar ging das so: Er zunächst mit dem 7-Spänner voraus, wir auf dem Schneetöff hinterher, die zweite Premiere an diesem Tag. (Ich klammere jetzt aus, dass wir die “Arctic Cat”, die Katze, so heisst dieses Raupen-Gefährt, als erstes mal quer in den Tiefschnee gelegt haben, schliesslich steht das Ding jetzt wieder artgerecht auf seinen Kufen)
1.5 Stunden gings im zügigen Tempo quer durch die Landschaft. Über verschneite Felder, Waldrändern entlang, Reggies Lake, Camden Lake, Brushy Lake. Haw! (links) Gee! (rechts)  Whoaaaaaaaaaaa! (stopp).
Und dann… durfte Esther selber auf den Schlitten stehen.

Oh – wie wenig fehlt uns jetzt gerade das Büro! (tschuldigung)

IMG_2169-1600